Episode #15 – eHealth bei unseren europäischen Nachbarn #1

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Beschreibung

In dieser Folge wird ein Blick auf eHealth-Entwicklungen in Europa geworfen. Im Fokus stehen die Ansätze der Schweiz, insbesondere das elektronische Patientendossier (EPDG), sowie deren Orientierung an etablierten Standards wie IHE XDS. Darüber hinaus wird die Situation in Frankreich betrachtet, wo das Konzept des Secondary Use weiter gefasst ist und über die reine Nutzung von Patientendaten hinausgeht.

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Transkription

Unseren Hauptthemen oder Unseren Hauptthema die Health in anderen Ländern. Und ich würde sagen, du fängst an mit der Schweiz Christian. 

Das kann ich machen. Oh doch. Genau. Ich habe gesagt, ein Schweizer Begriff vielleicht zwei, werde ich maximal mit einfließen lassen. 

Mit der Schweiz, ich habe relativ viel mit der Schweiz zu tun. Jetzt nicht nur, weil es natürlich hier das Nachbarland ist. Also, wir sind ja, glaube ich, die Luftlinie, die Luft nehmen wir nur so anderthalb Kilometer oder zwei von der Schweiz sehr grenzer entfernt. Auch sonst ist das durchaus ein interessantes Gesundheitssystem dort. 

Und dieses Gesundheitssystem ist eigentlich wie die ganze Schweiz sehr föderalistisch geprägt. Im Gesundheitssystem teilen sich die Zuständigkeiten auch auf zwischen dem Bund, den Kantone und den Gemeinden. Es gibt also eine verpflichtenden, obligatorische, nationale Krankenversicherung, die alle Bürger der Schweiz haben. Und sich in der Regel dann noch zusätzlich versichern, zum Beispiel auch über Hausarztmodelle, etc. Die Kantone selbst, also das, was dann in Deutschland quasi den Bundesländern entspräche, sind hauptsächlich für die Organisation und Finanzierung von den Kliniken oder Spitäler eben zuständig. Die Gemeinden selbst, die haben eigentlich eher die Verantwortung der Spitex. Also, das ist sowas in Richtung ambulante Pflege. Und eher so gemeindienliche Gesundheitsdienste, die wiederum können auch outgesourct werden an andere Anbieter. Das so ein ganz, ganz bisschen was gibt es von startlicher Seite für Verantwortlichkeiten in der Schweiz, weil es eben sehr föderalistisch geprägt ist. Und was die Schweiz jetzt gemacht hat, die hat das sogenannte elektronische Patientendossier-Gesetz EPDG verabschiedet. Und das regelt eigentlich das ab 2017 Schweizweit dieses elektronische Patientendossier eingeführt werden soll. 

Hast du schon mal was davon gehört? Ja, ich habe mal eine Bachelorarbeit zu gelesen. War eine von deinen. Misset dich wissen, wissen. Okay, dann war das eher eine rhetorische Frage. 

Um was geht’s bei diesem elektronisch Patientendossier-Gesetz? Ich werde am Anfang ganz kurz was zum Zeitplan sagen, ist das überhaupt das EPD, wird dann kurz die Ziele nennen und dann technisches und Rahmenbedingungen erläutern. Zeitplan ist, wurde 2015 im Juni-Wut die Einführung dieses elektronischen Patientendossiers beschlossen. 2017 tritt es in Kraft und von 2017 an haben dann die Spitaler drei Jahre Zeit, also eine Übergangsfrist, um das umzusetzen, was dort gefordert ist und die Geburtshäuser und Pflegeheimer haben vier Jahre Zeit. Also Spitaler müssen ab 2020 die Sachen, die dort gefordert sind, zu Verfügung stellen. Was ist das elektronisch Patientendossier? Das ist ja elektronisch dezentrale bundesweit verfügbare Vorhaltung von Patientendaten. Im Gesetz selbst wird’s definiert als virtuelles Dossier über das dezentral abgelegte behandlungsrelevante Daten aus der Krankheitsgeschichte einer Patientin oder eines Patienten, also auch hier politisch korrekt Gendert oder ihre oder seine selbst der Fasten-Daten in einem Abrufverfahren in einem konkreten Behandlungsfall zugänglich gemacht werden können. Dankeschön für die Genderisierung. Ja, werde ich weitergeben an die Schweizer Gesetzesgeber. Renato, wo nach Tönt das? Nach unserem E-Hailsgesetz. Ja, genau. Wo nach Tönt das noch technisch, Tönt ist auch so eine Schweizer Griff. Genau, IHE-E-E-E-E-E-E-E. Also schon mal dieses Thema hatten wir auch schon mal. Da kommen wir gleich nochmal ganz kurz drauf. Generell ist es so, dass diese Daten jetzt nicht in einer bundesweit zentralen Ablage liegen werden, sondern dass es eben verschiedene Gemeinschaften und Stammgemeinschaften gibt. Da kommen wir gleich nochmal drauf, die miteinander vernetzt sein müssen. Auch das klingt schon sehr nach IHE. 

Was sind die Ziele? Das ist jetzt nicht total überraschen. Die Ziele sind ja generell bei irgendwelchen Geschichten im Gesundheitswesen mit IT-Unterstützen immer relativ austauschbar. Ich gehe deswegen relativ schnell drüber hinweg. Gesteigerte Beannungsqualität, effizientere Informationsfluss, mehr Sicherheit, Bewahrung vor weiter steigenden Kosten im Gesundheitswesen, schnellere Verfügbarkeit, Ort und Zeitunabhängig und Patient-Empowerment, also den Patienten in seinen Rechten stärken. Das ist jetzt nicht total überraschend. Soll jetzt aber dieses despektive Gesprächensatz nicht drüber hinweg täuschen, dass es tatsächlich eine sinnvolle Geschichte ist. 

Kommen wir zum technischen. Du hast es gerade schon richtig gemut maßt. Die Schweizer haben es sehr richtig gemacht. Hier haben gesagt, okay, da gibt es schon etwas, da gibt es ein Standard, der in anderen Ländern schon gut funktioniert. Erfinden wir das Rad nicht neu, sondern nehmen IHE. Wir nehmen das IHE Profil XDS. Was wir ja auch schon hatten hier im Podcast, also Cross Enterprise Document Sharing, und darauf wird das Ganze basieren. Sehr sinnvoll, ganz großes Lob für mir dafür. Eine Anmerkung noch für die Hersteller, falls also Hersteller von Software im medizinischen Bereich hinzuhören. Ich habe schon von unterschiedlichen Herstellern gehört, dass die gesagt haben, ja, Mensch, in IHE XDS. S wird ja auf HL7 verwiesen, dass es gar kein Problem können wir jetzt schon. Da ist aber verwiesenlich auf HL7V2 und HL7V3. Und das können definitiv noch nicht alles Software Hersteller. Also, das bei der Roadmap-Produkt-Roadmap im Hinterkopf behalten. 

Gut, dann vielleicht noch ein paar Rahmenbedingungen und ein paar wichtige Parameter, die relevant sind, um zu beurteilen, ob das jetzt sinnvoll ist oder nicht. Die Schweizer haben sich überlegt, dass es dort eine doppelte Freiwilligkeit gibt. Also der Patient kann sich das Freiwillig überlegen, ob er mitmacht und die niedergelassenen Ärzte auch. Bei den Spitälern hat man schon gesagt, das ist nicht freiwillig. Der Patient muss diese Eröffnung eines elektronischen Patienten durch sie ist schriftlich zustimmen, also nicht automatisch dabei. Der Patient selbst hat die Daten hoheit. Der kann die Daten unterteilen in so unterschiedliche Vertraulichkeitsstufen wie Geheimedatens, Enzible, da an allgemeine medizinische Daten. Nützliche Daten wie zum Beispiel Blutgruppe, Medikamente, Organspende, demografische Daten wie zum Beispiel Telefonnummer, Name, Anschrift und so weiter. Und kann dann den unterschiedlichen Ärzten oder Einrichtungen Zugriff geben auf diese Klassifizierung von Daten. Solltest es notfall sein, dann kann auf alle diese Daten zugegriffen werden, das Ganze wird protokolliert, wie eigentlich alle Zugriffe protokolliert werden und der Patient sich das anschauen kann. Also er kann nachher nachvollziehen, wer hat, warum oder wann auch was zugegriffen. Was praktisch ist, die Schweizer haben direkt mitgeregelt, was passiert, wenn unbefugte Zugriffe stattfinden. Wenn also zum Beispiel ein Arzt auf Daten zu greift, obwohl er eigentlich gar nicht im Behandlungskontext draufzugreifen müsste, hängt ein bisschen davon ab, in welchem Kanton wir gerade sind. Aber gibt es eine Strafzahlung von mindestens 10.000 Schweizer Franken? 

Ich habe ja schon mehrfach zwischendurch gesagt, ich finde es gut, dass das Ganze so geregelt ist. Ich finde es technisch sauber. Ich bin noch sehr gespannt, wie es nachher mit diesen Gemeinschaften und Stammgemeinschaften aussehen wird, weil da ist eben nicht so ganz klar geregelt, wie die sich bilden, sondern das ist er offen gelassen. Da werden wir vielleicht in zwei, drei Jahren, wenn wir bis dahin noch den Podcast machen, noch mal darüber berichten. 

Renato, kurze Einschätzung von dir. Wie findest du das Schweizer elektronische Patientendossier-Gesetz? 

Also ich finde da haben sich die Schweizer wirklich viel vorgenommen und also sehr ambitioniert. Ich habe ja gesagt, ich habe da schon mal in einer Bachelorarbeit geschmückert. Die Krankenhäuser sind zwar jetzt dabei, sich umzustellen, aber so richtig wissen die noch nicht. Also ich bin wirklich gespannt, ob sie das in dem geplanten Zeitrahmen hinbekommen. Das hängt natürlich auch von den IT-Herstellen ab, wobei ich glaube, dass die noch nicht mal die hemmende Kraft dabei sind. 

Okay, sind schon wieder relativ später dafür, dass du noch ein ganzes Land hast. Machen wir mal weiter. Und zwar ein viel größeres Land. 

Wenn du sagst, wir sind hier an der Grenze zur Schweiz, dann ist natürlich bei mir durch meine Herkunft die Grenze zu Frankreich gegeben. 

Und zu Frankreich? Ja, ich habe ja schon im ersten zweiten oder dritten Podcast gesagt, dass ich aus dem Saarland komme und einige wissen noch nicht mal, dass es Saarland mittlerweile zu Deutschland gehört. Sie ist aber eher aus wie so ein Schwede. Wir sind klassisch in den Saarländer. Ja, man kann sie es nicht aussuchen. Und die Franzosen haben auch eine eHealth-Strategie sich gegeben. Jetzt ist sehr aktuell sogar. Und sie hatten schon vorher einige Themen sich auf die Agenda gesetzt. Die haben wie die Deutschen auch sich eine Gesundheitskarte zugelegt. Die Carte Vitale. Dann haben sie auch eine freiwillige elektronische Patientenakte. Die funktioniert ähnlich wie bei uns auch in Deutschland nach dem Zwei-Schlüsselprinzip. Das heißt, der Arzt und der Patient müssen mit ihren jeweiligen Karten die Daten dann freischalten. Und hier auch wichtig, dass der Patient die volle Kontrolle und das volle Mitsprache recht hat, was mit seinen Daten passiert. Und dann gab es auch noch das digitale Krankenhausprogramm, wo zu Digitalisierung und Krankenhaus aufgerufen wurde, weniger Papierakten zu weiter. 

Und dann gab es jetzt vor kurzem die eHealth-Strategie 2020. Hier gehen sie definitiv weiter als Deutschland. Hier gibt es Sachen wie Big Data, also die Analyse von Diagnosen und Behandlungen. Dass man diese Daten, die sich ansammeln, das man die nutzt, um Diagnose und Therapie zu verbessern. Es werden E-Health-Projekte ausgeschrieben als solche. Und was ich ganz spannend finde, sind die Living Labs. Das gibt es natürlich auch in anderen Situationen. Hier wird es dann von der eHealth-Strategie sogar vorgesehen. Living Labs bedeutet, dass sich Patienten, Forscher und Kliniken zusammenschließen. Und wenn wir hier vom Patienten reden, dann eben nicht nur die, die im Krankenhaus sind, sondern hier erklären sich Patienten, die auch zu Hause wohnen, erklären sich freiwillig bereit an solchen Labs, also Laboren, so was wie Studien teilzunehmen. Das ist dann nicht mehr dieser strengen Rahmen. Wir haben im Krankenhaus eine Rekrutierung von Patienten, sondern es ist ein offener Rahmen, wo jeder daran teilnehmen kann. Und das finde ich ein sehr spannenden Ansatz, wenn man neue Methoden, neue Strategien, neue Techniken ausprobiert. 

Dann ein weiterer Punkt, in der Strategie sind die Vereinfachung von Behördengängen im Gesundheitswesen. Und dann noch, das ist ja mittlerweile auch Standard in den Strategien, dass die IT-Sicherheit verbessert wird, dass ein starker Fokus auf diesen Punkt gelegt wird. Très bien, c’est bon, merci beaucoup. Deut. 

Schlagwörter

eHealth, Schweiz, Frankreich, EPDG (Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier), Secondary Use, IHE