In dieser Folge geben Renato und Bernhard in dieser Folge einen Einblick in das weite Feld der Telemedizin.
Wir ordnen das Thema und die zugehörigen Begriffe etwas ein und stellen exemplarisch Dienstleistungen wie Telediagnostik und Telekonsil vor und nennen Beispiele aus verschiedenen Anwendungsbereichen wie Teleradiologie oder Teledermatologie.
Abgerundet wird die Folge durch konkrete Beispiele und einen Ausblick auf Aspekte wie Datenschutz und IT-Sicherheit, die wir nicht mehr unterbekommen haben. Shownotes Liste der zertifizierten Videodienstanbieter (KBV) Artikel „Digitalisierung im Gesundheitswesen“
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Transkription
Und wir wollten jetzt mit dieser Folge einfach mal so eine Einordnung machen, vielleicht auch eine Weitung des Horizonts, denn Telemedizin ist nicht gleich Online-Videosprechstunde, sondern da gehört noch viel mehr dazu.
Ja, vielleicht starten wir mit einer kurzen Agenda, damit alle Hörer wissen, worauf sie sich einlassen. Wir haben zum Start eine kleine Definition, was ist überhaupt Telemedizin, ordnen dann den Begriff Telemedizin so ein bisschen ein, in den Kontext eHealth. Da gibt es ja immer die babylonische Begriffsverwirrung mit den ganzen Worten, die natürlich auch zu Marketingzwecken unterschiedlich belegt sind, je nachdem, aus welchem Blickwinkel und aus welcher Richtung man kommt. Dann wollen wir so ein bisschen eine Übersicht geben über telemedizinische Dienstleistungen und dann ein bisschen auf einzelne Fachbereiche eingehen, so ein paar typische Anwendungen mal nennen. Und das Ganze so ein bisschen mit Beispielen untermauern und füttern. Dabei können wir aber jetzt schon mal so einen kleinen Disclaimer bringen und sagen, das Ganze ist natürlich ein riesengroßes Feld, das wir jetzt in den nächsten 27 bis 30 Minuten weder abdecken können noch wollen, sondern wir wollen, wie du gerade gesagt hast, Renato, so ein bisschen den Horizont weiten, so ein bisschen Überblick geben, Einführung und das Thema so ein bisschen einordnen. Und ja, da starten wir einfach ganz klassisch mit einer Definition, oder? Stellen wir uns ganz dumm.
Stellen wir uns ganz dumm und schauen mal: Zum Begriff Telemedizin gibt es ja verschiedene Definitionen, und eine ganz gute kommt von der Bundesärztekammer. Die sagt: Telemedizin ist ein Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte, die als Gemeinsamkeit den prinzipiellen Ansatz aufweisen, dass die medizinische Leistung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Reha über räumliche Entfernung hinweg erbracht wird. Also ganz konkret: Überbrückung von Raum und Zeit in den Bereichen Diagnostik, Therapie, Rehabilitation. Und was in der Definition der Ärztekammer deutlich wird: ärztliche Versorgungskonzepte. Und das ist so ein Punkt, den man dann zur Einordnung nutzen kann.
Du hast gerade gesagt, das Ganze findet alles statt im Themenbereich eHealth. eHealth, das ist, wenn man die Definition der WHO zugrunde legt, „the use of information and communication technologies for health“. Also irgendwas mit Gesundheit und Technik, im weitesten Sinne, da fällt eigentlich alles drunter, was irgendwie Informationen im Gesundheitswesen verarbeitet und mit Technologien irgendwas zu tun hat. Und das kann man sicherlich als den Oberbegriff hier sehen. Und darunter gibt es eben den Bereich der Telemedizin, worunter wir jetzt die ärztlichen Anwendungen verstehen wollen, die dann natürlich auch eine riesige Bandbreite haben.
Also auch die ärztlichen Anwendungen, die können — das ist sicherlich das primäre Anwendungsgebiet — die direkte Gesundheitsversorgung betreffen, wo es darum geht, in Kontakt mit den Patienten zu kommen und deren Gesundheit wiederherzustellen, und so weiter. Das kann aber auch administrative Prozesse beinhalten, dass ich telemedizinische Anwendungen nutze, um eben elektronische Akten einzusehen, Rezeptvergaben zu steuern und solche Sachen. Das kann aber auch eben in den Bereich der Forschung reingehen, dass ich sage, ich nutze die telemedizinischen Konzepte im Rahmen einer einrichtungsübergreifenden oder standortübergreifenden klinischen Studie, wo ich dann Daten über verschiedene räumliche und zeitliche Distanzen hinweg sammle, auswerte und das Ganze natürlich mit einem ärztlichen Fokus analysiere. Also auch das wäre sicherlich ein Anwendungsgebiet. Und das wäre nochmal so eine Einteilung: Versorgung, administrative Prozesse, Forschung. Einige zählen auch noch den Bereich der Aus- und Weiterbildung von Ärzten als separaten Punkt hinzu, das könnte man auch noch dazunehmen. Das wären eben so die verschiedenen Anwendungsgebiete.
Und jetzt stellst du uns ein paar telemedizinische konkrete Dienstleistungen vor, was wir uns dann genau darunter vorstellen können. Genau, also wir machen jetzt mal so zwei Achsen auf, eine horizontale und eine vertikale. Mit der vertikalen beschäftigen wir uns dann gleich, wenn es um die einzelnen Fachbereiche geht, und die horizontale, die beschäftigt sich jetzt damit, umzuschauen: Was schafft denn die Telemedizin überhaupt? Welche Kommunikation wird denn hier überhaupt ermöglicht? Und da haben wir einmal Kommunikation zwischen Arzt und Patient, das ist wahrscheinlich das Klassische, was man sich unter Telemedizin vorstellt, da würde dann natürlich auch die Videosprechstunde drunterfallen. Also Arzt kommuniziert mit dem Patienten, das kann zum Beispiel sein in der Telediagnostik, also ein Arzt versucht, über fernmündliche oder visuelle Möglichkeiten eine Diagnostik bei einem Patienten zu machen, oder auch eine Therapie durchzuführen. Also ein Arzt berät einen Patienten, ein Arzt sagt einem Patienten, was er zu tun hat, vielleicht gibt er auch Anweisungen.
Aber — und das ist jetzt hoffentlich die Erweiterung des Aspektes Telemedizin, dass Telemedizin eben nicht nur die reine Videosprechstunde ist — sondern auch Kommunikation zwischen Arzt und Arzt gehört darunter. Also Kommunikation Arzt–Arzt. Fragt man sich, warum müssen die dann kommunizieren, die sehen sich doch immer? Aber nein, das tun sie nicht, denn natürlich gibt es den Arzt, der den Patienten behandelt, dann gibt es vielleicht noch einen Spezialisten, der sich mit dem Thema viel besser auskennt. Also wenn man dann einen Spezialisten hinzuziehen will, dann kann man das natürlich entweder dadurch machen, indem man den Spezialisten anruft und ihn bittet, der soll kommen, aber man kann ihn eben auch über Telemedizin heranziehen. Das nennt man dann Telekonsultation bzw. Telekonsil, und in dem Zusammenhang werden dann Daten ausgetauscht, Daten über den Patienten. Also ich übertrage Bilder, die ich vielleicht nicht selbst bewerten oder beurteilen kann oder wo mir einfach das tiefe Wissen fehlt, die übertrage ich an einen Spezialisten, und er beurteilt und befundet diese Sachen und schickt sie mir dann wieder zurück. Das wäre dann asynchron. Man kann das Ganze natürlich auch synchron machen, also dass man sich direkt mit einem Arzt dann in einer Videokonferenz bespricht und in dem Zusammenhang dann zum Beispiel sein Wissen anzapft.
Vielleicht sagen wir noch einen Satz dazu, warum das Ganze auch eine hohe Bedeutung hat: Durch den Ärztemangel, vor allem auf dem Land, an verschiedenen Stellen gibt es nicht in jedem Krankenhaus jeden Facharzt, der direkt verfügbar ist, und da bieten eben diese telemedizinischen Anwendungen, wie eine Arzt-zu-Arzt-Kommunikation, auch eben die Möglichkeit, sich eine professionelle Zweitmeinung einzuholen, von jemandem, der eben nicht direkt physisch greifbar ist. Genau, und da hat man eine Möglichkeit, dem Mangel vorzubeugen. Genau, dazu kommt auch noch die zunehmende Spezialisierung der einzelnen Fachbereiche, also ein Arzt heute, der kann unmöglich das ganze Wissen mehr überblicken. Es gibt immer spezialisiertere Krankheiten, spezialisiertere Therapien, und da braucht es einfach die Spezialisten, die sich mit ganz besonderen Themen auskennen, und da ist eine Kommunikation eben viel intensiver notwendig. Und wenn wir dann einen Hausarzt haben, der ja möglichst eine breite Abdeckung machen soll, dann braucht er eben in gewissen Fällen den Spezialisten, den er hinzuzieht. Und anstatt den Patienten wandern zu lassen, gibt es eben dann auch einfach die Möglichkeit, die Daten wandern zu lassen, und dass man ja den Patienten damit dann auch schont und auch den Geldbeutel von allen schont.
Es geht aber nicht nur darum, Spezialisten hinzuzuziehen, sondern in Krankenhäusern werden heute ganz viele Entscheidungen in Gruppen getroffen, da sind Tumorboards zu nennen und so weiter. Auch da unterfallen dann die Begriffe Telekooperation und Telekonferenz, das wäre also auch noch ein Beispiel für eine Arzt-Arzt-Kommunikation. Krankenhäuser sind teilweise über mehrere Standorte verteilt, und da sitzt der Bereich Kardiologie und dort sitzt der Bereich Radiologie, und damit die miteinander kommunizieren können, da sind eben die Tumorboards zu nennen oder auch radiologische Konferenzen, wo man dann einfach Patienten bespricht.
Dann gibt es noch die Kommunikation zwischen Arzt und Maschine. Die Maschine hängt dann zwar auch irgendwie an einem Patienten dran, deswegen ist das jetzt wahrscheinlich eher eine Unterform von Arzt-Patient-Kommunikation. Aber wenn jetzt ein Arzt zum Beispiel die Geräte von einem Patienten ausliest, Monitoringgeräte, also Monitore, Defibrillatoren oder auch die Wearables, die wir am Handgelenk tragen, dann wäre das so eine Arzt-Maschine-Kommunikation. Damit ist der Arzt auf dem Laufenden, weiß, wie es dem Patienten geht, ob er eingreifen muss, der weiß dann vielleicht schon eher als der Patient, dass demnächst was passieren wird, und dann kann man dementsprechend eingreifen. Theoretisch fällt da drunter dann auch das Fernsteuern von Geräten, wobei das im Moment, glaube ich, meines Wissens nach noch nicht gehandhabt wird, weil das zu gefährlich wäre, was das Hacken angeht und was die Sicherheit der Patienten angeht.
Und eine Sache, die auch in den Bereich fällt, den du vorhin genannt hast, also wenig Ärzte auf dem Land, das ist die Kommunikation zwischen Arzt und medizinischem Fachangestellten. Wir haben Landärzte, die ein so großes Gebiet abdecken müssen, dass sie es nicht mehr schaffen, jeden Patienten selbst zu besuchen, obwohl das eigentlich notwendig wäre. Und da gibt es jetzt gerade in den östlichen Bundesländern medizinische Fachangestellte, die anstelle des Arztes dann verschiedene Patienten anfahren und vor Ort dann telemedizinisch in Kontakt treten mit dem Arzt. Das ist also eine Unterstützung bei Hausbesuchen, würde dann auch unter Telekonsultation wahrscheinlich am ehesten fallen. Also der Arzt kommuniziert jetzt hier nicht mit dem Patienten, sondern er kommuniziert mit dem medizinischen Fachangestellten oder der medizinischen Fachangestellten und gibt ihr Anweisungen, Tipps oder sagt ihr, was sie jetzt mit dem Patienten machen soll, sie gibt ihre Ergebnisse an den Arzt, dass, wenn jetzt dort was wäre, man direkt eingreifen kann. Wenn jetzt zum Beispiel ein Blutzuckerwert entgleist, dass dann der Arzt direkt sagen kann, wie viel Insulin gespritzt werden muss.
Genau, das waren jetzt mal so Möglichkeiten der Kommunikation, wer mit wem alles kommunizieren kann, also Arzt mit Patient, Arzt–Arzt, Arzt–Maschine und Arzt mit dem Fachangestellten. Jetzt schauen wir mal in die einzelnen Fachbereiche rein und schauen nur mal kurz, was in den Fachbereichen denn theoretisch möglich ist und wie der aktuelle Stand ist. Genau, auch da machen wir eine Auswahl und wir beschränken uns zunächst auf fünf Fachbereiche, wobei Telemedizin natürlich nahezu in jeder Disziplin heutzutage möglich ist, in der einen mehr, in der anderen weniger. Und wir schauen uns jetzt einfach mal exemplarisch fünf Beispiele an, und ich starte einfach mal mit der Teledermatologie, das ist ein Bereich, wo die Telemedizin schon länger im Einsatz ist.
Die klassischen Anwendungsfälle sind neben der Videosprechstunde eben das Fotografieren von Hautveränderungen, um da um eine entsprechende Expertenmeinung zu bitten. Also gerade wenn der nächste Dermatologe weiter weg ist oder die Terminfindung sich sehr schwierig gestaltet, dann ist das eine gute Alternative zu sagen: Anstatt mein Essen zu fotografieren und das bei Instagram reinzustellen, fotografiere ich meine Hautveränderung, Muttermale, Leberflecke, solche Dinge, die sich vielleicht irgendwie in Form und Größe und Farbe oder sowas verändert haben, und sende die dann mit irgendeiner App oder mit irgendeinem Softwareprogramm zu einem entsprechenden zertifizierten Dermatologen, der sich um solche Sachen kümmern kann und das Ganze auswertet. Das kann natürlich dann Zeit ersparen, das bringt was für den Patienten, der muss vielleicht nicht unbedingt kommen, wenn es ein unkritischer Fall ist, oder man kann eben sagen, das sieht doch nicht ganz gut aus, vielleicht sollten Sie sich doch persönlich mal in der Praxis vorstellen, mit dem entsprechenden Befund.
Und in Konstanz kenne ich zumindest auch noch den Aspekt des Telekonsils in der Teledermatologie, dass also die Hausärzte, wenn sie sich mit einem dermatologischen Befund nicht sicher sind, dass die dann den Dermatologen hinzuziehen und ihm Bilder schicken und dann eben die Befunde zurückbekommen und den Patienten entsprechend behandeln können. Denn, das wurde ja schon gesagt, dermatologische Termine sind sehr, sehr dünn gesät, und da ist es schwer, und man wartet manchmal monatelang, und so hat man dann einfach schnell einen Befund. Ja, und da vielleicht noch mal der Link zu einer anderen Folge von uns zum Thema künstliche Intelligenz: Das ist natürlich auch ein klassischer Anwendungsfall, wo man sagen könnte, diese Bilder könnten natürlich auch gut von irgendeiner KI ausgewertet werden. Ob die dann nach der Definition der Ärztekammer auch unter Telemedizin fallen, weil ein Arzt ja nicht mehr beteiligt ist, aber prinzipiell eine ärztliche, sprich diagnostische Leistung vonstattengeht, müsste man dann mal definitiv klären, aber wenn die Daten eben digital vorhanden sind, könnte man auch entsprechende Auswertungen darüber laufen lassen und würde damit natürlich auch die Dermatologen entlasten. Zumindest könnte man damit ein Pre-Screening machen, die endgültige Entscheidung könnte man dann auch dem Facharzt überlassen, aber das wäre sicherlich eine gute Möglichkeit.
Genau, und jetzt müssen alle Radiologen sich mal die Ohren zuhalten oder ganz stark sein, aber ganz viele Radiologen sehen nicht mehr so viele Patienten. Und wenn man sowieso so wenig Patientenkontakt hat, ist halt die Frage, ob man tatsächlich den Patienten dann zu einem Radiologen in die radiologische Praxis schicken muss, wenn sich der Radiologe dann eben nur die Bilder anschaut. Und dementsprechend ist in der Radiologie das Telemedizinische eben auch sehr häufig anzutreffen, also ein Röntgenbild wird eben durch die Welt geschickt und wird von einem Radiologen irgendwo an anderer Stelle befundet, und nicht mehr dort, wo das Röntgenbild dann tatsächlich entsteht. In vielen Fällen ist es gar nicht mehr notwendig, dass jetzt ein Patient zu einem Radiologen geht und sich dort seine Meinung abholt, sondern die kann der Radiologe dann auch fernmündlich oder über Teleradiologie dann machen. Genau, die Radiologen haben ja seit Jahren eine hohe Affinität zur Technik, allein durch die entsprechenden MRT- und CT-Geräte und weitere Diagnostikgeräte, die sie einsetzen, da bietet sich natürlich auch da die Telemedizin an und ist natürlich da auch weit fortgeschritten.
Genau, wir machen weiter mit der Telekardiologie, auch das sicherlich einer der größeren Anwendungsbereiche für Telemedizin. Spannend vor allem für Patienten mit eben kardiovaskulären Problemen, zum Beispiel, als einen Punkt, die Betreuung und Nachsorge von Patienten, die vielleicht einen Herzschrittmacher tragen. Da könnten dann moderne Herzschrittmacher und moderne Geräte die entsprechenden Daten im Rahmen eines Telemonitorings aufzeichnen und Auffälligkeiten an einen zuständigen Arzt, die behandelnde oder betreuende Klinik übermitteln. Das heißt, da hätte man eine klassische Telemonitoring-Anwendung, man würde irgendwie auf entsprechende Rhythmusstörung reagieren und könnte dann den Patienten zu einem Kontrolltermin einbestellen oder, je nachdem, wie auffällig die Werte sind, sofort einen Krankenwagen oder Rettungswagen losschicken, um den Patienten sozusagen abzuholen. Da hätte man viel auch mit den Sensoren zu tun, mit der Technik selber, das würde der Patient nicht unbedingt selber im Rahmen einer Videosprechstunde machen, sondern da würden die Medizinprodukte, die da verbaut sind, über verschiedene Kanäle eben eine Verbindung zum Facharzt oder zum Krankenhaus suchen.
Ein Fachbereich, der der Telemedizin auch sehr offen gegenübersteht, ist die Chirurgie. Hier ist es aber leider noch so, dass man noch nicht alles telechirurgisch oder telemedizinisch abdecken kann, was man gerne machen wollen würde. Vielleicht kennt der eine oder andere schon diese Operations-Roboter da Vinci, und da wäre es ja theoretisch möglich, dass der Chirurg in einem Land sitzt, der Experte für diese ganz spezielle Chirurgie, und der Patient wird in einem anderen Land dann operiert. Oder es reicht auch schon die eine Stadt und die andere Stadt, aber das ist jetzt aktuell noch nicht möglich. Aber theoretisch wäre Telechirurgie auch etwas, wo man sehr stark das Spezialistentum in der Medizin ausnutzen könnte und dann tatsächlich auch die ganz besonderen Spezialisten für eine ganz besondere OP, an eine schwierige OP, heranbringen könnte. Wie gesagt, im Moment ist es noch nicht möglich, weil immer noch der Arzt im selben Raum oder im Nebenraum vom Patienten sein muss, da gibt es auf jeden Fall ganz strenge Vorgaben. Aber perspektivisch gibt es da vielleicht auch Möglichkeiten, wie wir langfristig sowas in die Tat umsetzen können.
Und den Abschluss bildet die Telepsychiatrie, auch da sicherlich der klassische Bedarf, der vor allem dadurch entsteht, dass man extrem lange auf einen Erstkontakt oder eben auf einen Therapieplatz oder sowas wartet. Es kann unter Umständen lange dauern, bis man eben in eine psychiatrische Behandlung kommt, und da können telemedizinische Angebote sicherlich das eine oder andere abfedern. Das kann die klassische Videosprechstunde sein, das könnten aber auch internetbasierte Interventionen sein, dass man im Rahmen von irgendwelchen Online-Tests oder Check-ups Dinge dem Patienten spiegelt oder abfragt, je nachdem, welche psychiatrische Erkrankung zugrunde liegt, oder eben auch, ähnlich wie bei der Telekardiologie, dass man erste Anzeichen von Depressionen über das Smartphone sammelt und dann dem zuständigen Facharzt übermittelt.
Also es gibt da ein Tool — haben wir schon mal einmal kurz erwähnt in der Folge mit Stefan Jonas, „Psychologist in the Pocket“ —, wo es darum geht, anhand von Sprache, also von den Texten, die man schreibt, anhand von Bewegungsprofilen über GPS-Daten und so weiter erste Anzeichen für Depressionen zu erkennen oder für eine weitere depressive Episode und dann entsprechend eine Warnung an eine ausgewählte Vertrauensperson zu senden, und das kann eben ein Freund, ein Ehepartner oder eben auch der Facharzt sein. Und im Falle des Facharztes könnte das natürlich dann im Bereich der Telemedizin eine wichtige Anwendung sein. Genau, hier spielen natürlich auch wieder Bots eine gewisse Rolle, wobei jetzt auch wieder die Frage ist, ob das dann in den Bereich der Telemedizin fällt, aber gerade in der Psychiatrie, wo die Ärzte rar sind, da ist es dann häufig auch so, dass man versucht, das Ganze irgendwie zu automatisieren.
Gut, dann sind wir mal durch so ein paar Themenfelder durch, also durch so ein paar Fachbereiche. Natürlich gibt es da auch jetzt noch die Diabetologie, die Neurologie, die Onkologie und weitere Fachbereiche, wo Telemedizin eingesetzt wird. Wir wollten jetzt einfach mal so exemplarisch fünf Fachbereiche rausnehmen und gehen jetzt mal über zu ganz konkreten Umsetzungen, und eine der Umsetzungen haben wir jetzt schon die ganze Zeit immer mal wieder genannt: Das ist die Online-Videosprechstunde, die ja mittlerweile in aller Munde ist.
Genau, und da wollen wir mal ganz kurz auf die wesentlichen Funktionen eingehen, worum geht’s da. Das fängt an im Vorfeld schon mit einem Online-Termin-Management. Das kann man natürlich als separate Anwendung sehen, das kann man auch als Teil dieser Videosprechstunde sehen, wo ich im Prinzip schauen kann, wo sind freie Slots. Ich muss also nicht irgendwie morgens um halb sieben mich auf den Weg zum Arzt machen und mir viel zum Lesen mitbringen, um dann die nächsten 3,5 Stunden im Wartezimmer zu verbringen, sondern ich suche mir irgendwie online einen entsprechenden Terminslot raus, wo ich Zeit habe, wo der Arzt sich entsprechend die Zeit genommen und diesen Termin bereitgestellt hat. Kann dann im Prinzip, wenn eine entsprechende Videosprechstunde zustande kommt, digital in den Austausch gehen und kann natürlich — das ist das Schöne — auch dann die Dokumente, strukturierte Daten, Bilder, alles Mögliche natürlich, dem Arzt zur Verfügung stellen. Es kann da ein Austausch stattfinden, der Arzt kann dann im Prinzip die Dinge empfangen, die ich dann als Anhang sozusagen mit übermitteln will, und ich kann natürlich dann auch über Screensharing mir anschauen, was bisher in der Akte des Arztes steht, und dann die notwendigen Ergänzungen machen. Also in den Tools der Videosprechstunde gibt’s dann eben neben der reinen Video-Funktion natürlich auch eine Chat-Funktion, wo ich schon mal in Kontakt treten kann, wo man auch einen schriftlichen Austausch hat.
Das war jetzt ein Beispiel für die Arzt-Patienten-Kommunikation, also eine ganz konkrete Anwendung, die mittlerweile eben auch viel eingesetzt wird. Eine andere konkrete Anwendung, die häufig zum Einsatz kommt, ist ein Beispiel für eine Arzt-Arzt-Kommunikation: Das sind Chats, die zwischen Ärzten stattfinden. Auch da tut sich jetzt immer mehr, und die Besonderheit da oder das Wichtige, was wir da berücksichtigen müssen, ist Datenschutz und IT-Sicherheit. Es muss ein Chat-Programm sein, das auf jeden Fall verhindert, dass irgendwelche Daten nach draußen dringen. Ein Chat über WhatsApp oder auch über Telegram und wie sie alle heißen, das sollte hoffentlich jedem klar sein, dass das nicht sicher ist und dass man dort keine Patientendaten übertragen darf. Auch wenn es hin und wieder tatsächlich gemacht wird und auch wenn hin und wieder ein Arzt seine Dienste per WhatsApp anbietet, der gute Weg ist das nicht. Und gerade wenn Ärzte untereinander kommunizieren, dann sollte man auf jeden Fall auf sichere Kommunikationswege setzen, da ist die normale E-Mail eben auch nicht besonders sicher, und das Fax ist einfach veraltet. Und da bieten sich solche Chats an, und die Chats haben eben den Vorteil, dass man ganz bezogen auf einen Patienten dann kommunizieren kann. Auch hier kann man einfach Dokumente hin und her austauschen, man kann bezogen auf den Patienten auch strukturierte Daten austauschen, und diese Chats, die es dort gibt, die sind auf die Bedürfnisse der Ärzte genau fokussiert.
Genau, das Ganze trifft natürlich für die Videosprechstunden-Tools auch zu. Wir haben erst überlegt, ob wir in der heutigen Folge ein paar exemplarisch nennen, haben uns dann dagegen entschieden, weil es mittlerweile jede Menge gibt und wir dann bestimmt irgendwelche wichtigen vergessen würden oder dass das dann in eine zu einseitige Richtung gehen würde, und haben uns entschieden, dass wir einfach verlinken auf die Liste der zertifizierten Anbieter, die gibt’s bei der KBV. Da stehen so knapp 40 Anbieter, Stand jetzt, drin, das sind eben die Anbieter, bei denen es feste Zertifikate gibt, die das Ganze in den Einsatz bringen dürfen. Und Ähnliches gilt eben auch für die Chatfunktion für Ärzte untereinander. Auch da gibt’s zertifizierte Anbieter, die von der KBV entsprechend autorisiert worden sind. Genau, und dann gibt’s von den einzelnen Krankenkassen dann immer Apps, die unterstützt werden und mit denen man dann mit den Ärzten in Kontakt treten kann. Ich glaube, da weiß jeder von seiner Krankenkasse wahrscheinlich mittlerweile sehr gut, was da alles möglich ist.
Dann würden wir hier schon einen Strichpunkt zumindest machen, denn von den Inhalten sind wir jetzt einigermaßen durch, und wir machen jetzt nur noch schnell eine Abgrenzung, was wir alles nicht bringen. Denn wichtig, gerade wenn’s um Tele-irgendwas geht, Tele-X geht, dann sind natürlich so Punkte wie IT-Sicherheit und Datenschutz ganz, ganz wichtig. Bernhard hat eben schon die Zertifizierung genannt, und wie werden Ärzte vergütet — all das sind Themen, die natürlich wichtig sind zu erwähnen und auch wichtig sind zu diskutieren. Aber wo wir es jetzt einfach nicht schaffen, und auch solche Problematiken, wie dass ja einige von dieser Entwicklung abgehängt sind, weil ihr Breitbandausbau das gar nicht hergibt. Die haben irgendwelche Modems vielleicht noch oder ganz, ganz schlechte Verbindungen, wo man eine Videosprechstunde einfach nicht mitmachen kann. Das ist ein Problem, und das sollte auf jeden Fall jeder ernst nehmen in der heutigen Zeit, wo man tatsächlich auch auf solche Videosprechstunden irgendwann mal angewiesen sein kann. Und gerade auf dem Land, wo wir die umso mehr brauchen, ist die Bandbreite nicht zum Besten gestellt, also hier hoffe ich und hoffen wir alle, dass die Entwicklung hier weitergeht.
Das Thema Bandbreite gilt ja komplett global für ganz Deutschland. Bei den anderen Themen, die du angesprochen hast, IT-Sicherheit, Datenschutz, Zertifizierung — das ist auch im Großen und Ganzen nicht pauschal zu beantworten, sondern betrifft wirklich die jeweilige Technik, die diesen einzelnen Lösungen unterliegt sozusagen. Und damit können wir dazu gar nicht eine pauschale Aussage treffen, sondern nur sagen, das sind natürlich wichtige Punkte, die unbedingt beachtet werden müssen, die aber eben für eine Telemonitoring-Lösung im Herzschrittmacher ganz anders aussehen als für eine Online-Terminvergabe bei der Hausarztpraxis. Das kann man sich, glaube ich, leicht vorstellen. Daher wollen wir das nennen, der Vollständigkeit halber, uns aber auch da ein bisschen abgrenzen und sagen, das wären noch mal sieben weitere Folgen, mit denen wir uns dann einem Thema noch im Detail nähern können, und für die wir jetzt keine Zeit haben, weil das Planschbecken wartet.
Dann machen wir jetzt keinen Strichpunkt mehr, sondern einen dicken fetten Punkt, vielleicht sogar ein Ausrufezeichen. Und ja, hoffen, dass … Oder ein Fragezeichen, was wir noch alles vergessen haben. Genau, wir hoffen, dass wir zumindest so einen kleinen Einblick geben konnten, für diejenigen, die sich dem Thema noch nicht nähern wollten oder noch nicht nähern konnten. Für einige war es vielleicht eine Wiederholung. Und wir wünschen einen schönen Sommer und warme Sonnentage. Und bleibt weiterhin gesund.
