In dieser Folge geht es um OP-Management. Egal, ob man den OP-Saal als das Herzstück des Krankenhauses bezeichnet oder als Cash-Cow. Einig sind sich wohl alle, dass der OP in einem operativ agierenden Krankenhaus eine zentrale Rolle einnimmt. Deswegen ist das Management des OPs mit all seinen Sälen, Geräten, Operierenden, Pflegenden und Anästhesisten ein zentraler Punkt im Krankenhaus. Und wo könnte man IT sinnvoller einsetzen als an einem solch zentralen Punkt. Wie der grobe Ablauf im OP aussieht und an welchen Stellen man mit IT unterstützen kann, das beleuchten Bernhard und Renato in einer kurzen 2-teiligen Reihe über das OP-Management. Der erste Teil beschäftigt sich mit den Aktivitäten im Vorfeld einer OP. Die Aktivitäten am OP-Tag werden dann in einer späteren Folge beschrieben.
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Transkription
Angedeutete OP Management großes Thema. Wir müssen es splitten. Also OP Management Teil 1. Und da bist du als Arzt natürlich deutlich besser qualifiziert als ich. Also leg mal los.
Wobei ich den OP ja immer gemieden habe, aber man kommt nicht immer ganz drum herum. Natürlich versuchen wir in einem eHealth-Podcast auch immer den Bezug zur IT dann herzustellen. Also wie kann das OP Management von der IT unterstützt werden? Aber vielleicht noch mal ein paar allgemeine Sachen zum OP Management. Warum ist das überhaupt so wichtig? Und was macht den OP so besonders im Krankenhaus?
Also was man sicher sagen kann ist, dass der OP eine ganz ganz wichtige Einnahmequelle fürs Krankenhaus ist. Also es geht sogar so weit, dass man in einigen Krankenhäusern nicht das Bett plant und dann guckt, wann man die OP bekommt, sondern dass man die OP plant und dann guckt, wie man die ganzen Sachen außen rum plant. Weil der OP-Saal und der OP die wichtige Ressource sind und die knappe Ressource. Genau, ich würde ja auch prinzipiell lieber an der Stelle ansetzen. Das macht sicherlich einfacher und einen Bett zur Not für eine Nacht mal irgendwo anders reinschieben, ist was anderes als einen zweiten Patienten auf den OP-Tisch zu legen. Definitiv, ja. Also das will man nicht so haben. Und deswegen ist es eben so wichtig, dass wir den OP-Saal möglichst effizient und effektiv und auf jeden Fall gut ausgelastet haben. Und die Planung der OP-Säle nimmt deswegen einen ganz ganz großen und wichtigen Teil ein, denn wenn da Lücken entstehen, dann geht barres Geldflöten. Ein leerstehender OP-Saal, der kostet und kostet und kostet.
Dann ist natürlich auch noch wichtig, dass im OP-Saal viele und große Fehler passieren können. Und dort etwas passiert, dann stehen Regressforderungen quasi schon vor der Tür straf anzeigen, natürlich auch Reputationsverlust und so weiter und so weiter. Das will man nicht. Und deswegen ist es wichtig, dass man die Qualität in der OP hoch hält. Und das macht man natürlich, indem man einmal gut operiert, dass man die Operateure gut ausbildet. Und das Ganze macht aber hier kann auch schon die IT mit rein spielen, indem man zum Beispiel Checklisten verwendet oder indem man auch schaut, wo hat es in Vergangenheit Probleme gegeben und versucht dadurch rauszufinden, wo liegen Probleme in unserem Ablauf oder in unserer Struktur? Also ich werde da schon jede Menge Gründe raus, auch IT sehr effektiv in den entsprechenden OP-Sälen zu nutzen. Also Einnahmequelle, effiziente Nutzung und Planung, ein bisschen zu Prozesssteuerung, Qualität hochhalten, sind ja alles ganz, ganz wichtige Elemente. Genau, das kann man natürlich auch auf Papier machen und damit sind ja auch die Krankenhäuser früher ganz gut gefahren, aber die IT kann hier natürlich unheimlich viel abnehmen und die Prozesse schlanker und auch qualitativ sicherer machen.
Gut, dann ist es noch ein wichtiger Punkt. Der ist jetzt nicht OP spezifisch, aber die Aufklärung nimmt im OP-Saal natürlich auch eine ganz große Rolle ein, wobei das natürlich nicht eben OP-Saal passieren soll, sondern möglichst im Vorfeld, dass der Patient auch noch eingreifen kann. Und da ist dann natürlich die Überlegung, wie klärt man auf und wie signalisiert der Patient, dass er mit der OP einverstanden ist. Ganz klassisch kann man das natürlich auf Papier machen, aber auch hier gibt es jetzt natürlich modernere Möglichkeiten, werden wir nachher noch kurz drauf eingehen.
Und dann ist eine ganz interessante Sache. Ich habe früher mal ein IT-Projekt im OP-Saal gemacht und dachte so, als unbedarfter, das ist erstmal ein reines Software-Projekt, habe ich nur um die Software gekümmert und je mehr ich in dieses IT-Projekt dann reingeschlüpft bin, desto mehr habe ich gemerkt, dass man sich auch um die Hardware kümmern muss und immer mehr um die Hardware kümmern muss. Denn im OP-Saal ist eine andere Atmosphäre als jetzt im Stationszimmer oder im Arztbüro. Im OP-Saal haben wir eine sterile Arbeitsatmosphäre und ein Lüfter, der fleißig den Staub von A nach B wirbelt, der hat da eigentlich nicht zu suchen oder der ist ein großes Problem. Deswegen müssen die Rechner entweder ganz am Rand stehen oder man muss besondere Rechner holen. Eine Fassakkühlung wie von den Game On. Genau, die mit anderen Lüftungstechniken auskommen. Also die müssen die Oberflächen abgesperrt sein. Alles Sachen, die man vielleicht im ersten Moment gar nicht denkt, die Sachen müssen gegebenenfalls sterile Steuerbar sein, wenn der Operateur der am OP-Tisch steht, wenn er das auch bedienen können soll. Da gibt es ja im Moment auch wieder viele Technologien, Richtung Sprachsteuerung, Gestensteuerung. Wo glaube ich auch noch mal das Potenzial von der IT sehr deutlich wird, dass man im OP nicht eben nur auf den Mauszeiger und eine Tastatur angewiesen ist, sondern bestimmte Dinge durch Gestik, durch Sprache steuern kann und damit auch weiter vor allem steril bleibt. Genau, da habe ich vor zwei oder drei Jahren, glaube ich mal, auf der GMDS einen ganzen netten Vortrag wird. Vielleicht können wir den ja auch auch verlinken hier in den Show Notes. Da ging es auch um Gestensteuerung, dass man zum Beispiel die OP-Zeiten dann darüber dokumentieren kann.
Ein weitere Besonderheit im OP ist, dass hier viele Fachbereiche mit rein wirken. Also wir haben nicht nur jetzt die Chirurgie, die operativ tätig ist, sondern meistens ist der OP-Saljainterdisziplinär aufgestellt. Dann haben wir noch einen O-ärzt, wir haben die Urologen, die Gynikologen, Orthopäden, je nachdem wie großes Krankenhaus ist. Vielleicht auch Augen, Ärzte, Hain, O-ärzte, Dermatologen. Alle, die wollen auf die knappe Ressource OP-Sal zugreifen und dadurch entsteht natürlich ein großer koordinatorischer Aufwand. Und natürlich dann auch noch die Anästhesiee, die jetzt nicht, ich sag mal, vertikal sich da mit Eingliedern will, sondern die Horizontal auch noch überall mit spiel. Das heißt, wir haben hier einen Zusammenspiel von ganz, ganz vielen Fachbereichen, die es dann zu koordinieren gilt.
Gerade in den letzten Jahren, ich sag mal, in den letzten fünf bis zehn Jahren, haben Entwicklung der Flugbranche mehr und mehr einzugehalten. Man hat festgestellt, die Flugbranche ist der Chirurgie um Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte voraus, was der Umgang mit Fehlern angeht. In der Flugbranche, jedes Mal, wenn ein Fehler passiert, dann kann man auf relativ anonymer Art und Weise diese Fehler melden. Und dann kann man versuchen und schauen, wie man die Fehler in Zukunft vermeidet. Diese Denkweise hat in den OP-Sal erst in den letzten Jahren einzugehalten. Und vorher war so eine Art, der ja, ich mache sowieso keine Fehler. Und wenn ich Fehler mache, dann meld ich die bloßen nicht, dass jemand denkt, ich gerne schlechter Operateur. Aber heutzutage hat man eingesehen, dass man nur dann ein guter Operateur wird, wenn man aus seinen Fehlern, die jeder macht, dann auch lernt. Und dann haben sich gewisse Meldemächanismen herausgebildet, aber auch sowas wie Checklisten. Also, die im heutigen OP-Sal arbeiten, die kennen das Team Time-out, das ist mittlerweile Standard geworden, oder auch Checklisten im Vorfeld von OP ist die abgehakt werden. Und das ist sehr stark angelehnt an die Flugbranche und an das Leben als Pilot.
Jetzt hast du ganz viel gesagt, zu gründen, warum der OP wichtig ist, warum IT-Unterstützung notwendig ist, so ein paar Besonderheiten. Und jetzt wollen wir das Ganze mal ein bisschen konkreter machen und einfach mal einen Workflow durch sprechen. Wie sieht das denn aus? Was muss alles im Vorfeld eigentlich der OP passieren? Also von der Vorbesprechung über die Prämidikation und Anmeldung. Was sind da eigentlich die Dinge, die passieren müssen und wie kann IT da gut unterstützen?
Genau, machen wir einfach mal so einen fiktiven Fall, ein Patient kommt und vielleicht weiß er schon, er muss an der Galle operiert werden oder er muss an der Leiste operiert werden. Und er kommt dann in die Chirogie und stellt sich vor. Meistens ist dann die Chirogie, so der erste Ansprechpartner und der erste Kontakt, gar nicht auf Station unbedingt, sondern das passiert dann im Vorfeld in ambulanten Sitzungen, wo die Operateure ambulanztermine für potenzielle Operationswillige Patienten anbieten. Und dort passiert dann letztendlich das, was man bei jedem normalen Arzt besucht kennt. Man erzählt seine Geschichte, man erzählt seine Leiden. Der Patient wird anhamnestiziert, er wird untersucht. Das Ganze muss natürlich dokumentiert werden. Und wichtig ist, dass diese Informationen, die dort erfasst werden, dann später auch in der OP irgendwie zur Verfügung stehen, dass man sich auf den Patienten vorbereiten kann.
Zu dem Zeitpunkt findet dann häufig auch schon ein Teil der Aufklärung statt. Also, wenn sicher ist, dass die OP gemacht werden soll, dann bekommt der Patient allen notwendigen Informationen mit. Er kann entweder, wenn er sich sicher ist, schon gleich unterschreiben, einige Krankenhäuser. Und das ist der bessere Weg, die machen das so, dass sie den Patienten Informationen mitgeben, dass sie zu Hause noch mal durchlesen kann und dass er im ruhigen Augenblick dann und voll informiert unterschreiben kann, dass es auch, wenn noch Nachfragen sind, dass man das dann noch machen kann. Also Patienten Aufklärung und Patienten Einwilligung kann man noch so in diesem Bereich der Vorbesprechung der Chirurgie mit reimpacken.
Dann geht es los Richtung Anästhesie. Genau, dann kommt die Anästhesie. Ich habe ja vorhin schon gesagt, da spielen mehrere Fachbereiche eine Rolle. Als Player im diesem Game sind einmal die operativtätigen, Chirurgie, Dermatologien und so weiter, die dann die Indikation stellen, was ich eben gemeint habe, Aufklärung machen und dann kommt die Anästhesie, die im Vorfeld noch mal den Patienten separat untersucht, aber mit einer anderen Fragestellung. Hier geht es jetzt nicht darum, was ist das konkrete Krankheitsbild, weswegen der Patient operiert wird, sondern ist der Patient überhaupt operationsfähig, spielt seine Lunge mit, spielt sein Herz mit. Gabs vielleicht früher schon mal irgendwelche Probleme im Rahmen von OPs. Also man macht eine auch hier eine körperliche Untersuchung und dann legt man ein Anästhesieverfahren fest. Meistens auch in Kooperation mit dem Patienten, was ihm am liebsten ist. Manchmal hat man ja hier Auswahl zwischen verschiedenen Anästhesieverfahren. Nicht immer ist das der Fall, aber wenn man das hat, dann kann der Patient natürlich mitentscheiden. Und hier sehe ich vor allem einen riesen Potenzial für so eine elektronische Patientenakte, genau diese Vorgeschichte, welcher Anästhesieverfahren habe ich schon mitgemacht. Und bei welchen Gabs unverträglichkeiten, bei welchen Gabs Schwierigkeiten, das ist etwas, was in einem Diktailgrad, die aller meisten Patienten nicht so gut auf dem Schirm haben. Also zumindest könnte ich jetzt nicht bei irgendwelchen OPs sagen, was da genau in welcher Form wie passiert ist. Da wäre so eineakte total hilfreich, wo dann, wie die zienisch gesichert drinsteht, mit entsprechenden, semantischen Bezugsystem folgende Allergien sind aufgetreten, folgende Unverträglichkeit sind aufgetreten. Und der Anästhesieist könnte das schon bei dem Gespräch sehen und würde dann nur noch mal nachhaken und sich das Ganze bestätigen lassen, ob das noch aktuell ist, hätte aber schon eben gesicherte Informationen.
Ja, absolut genau. Also da kann man sogar an mehreren Stellen ansetzen. Also einmal tatsächlich, wenn es in diesem Krankenhaus schon eine Vorakte gibt, dann kann man da drauf elektronisch zugreifen, wenn es eine elektronische Patientenakte gibt. Und der wird jetzt die ganze Zeit reden, dann kann man auch auf die Vorinformationen zugreifen. Und das, was Christian, der jetzt heute nicht da ist, immer propagiert ist, dass der Patient vielleicht schon die Möglichkeit hat, zu Hause den Anamnesebogen auszufüllen, wo er in Ruhe nachdenken kann, wo er vielleicht auch nochmal seine Angehörigen fragen kann. Auch das ist eine Möglichkeit hier mit IT zu unterstützen. Und natürlich, wenn wir hier jetzt zwei Vorbesprechungen haben, also zwei Untersuchungen, zwei Anamlesen, dass man hier die Sachen natürlich auch nicht doppelt abfragen muss, sondern dass man sagen kann, das, was der Chirurg schon abgefragt hat. Das musste Anästhesiesten Tag später nicht nochmal abfragen, sondern da kann er auf die Informationen des Chirurgen, wenn er den vertraut kann er auf die Aufbauen. Traumtrauen die Anästhesiesten den Chirurgen? Ja, das ist deine Erfahrung. Das ist wieder eine andere Geschichte. Vielleicht gibt es da ja auch eine App, so eine Dating App oder irgendwelche Sachen, die man, die das Verhältnis zwischen Chirurgie und Anästhesiee verbessern. Aber auch hier hat sich den letzten die Hand viel getan. Also auch hier gibt es dann wieder eine Aufklärung und einen Aufklärungsbogen, eine Information für den Patienten, die ja dann letztendlich unterschreiben muss, denn auch zu einem Anästhesieeverfahren muss man aufgeklärt werden und muss sein Einverständnis dafür geben. Und letztendlich gibt der Anästhesiest die OP frei. Man denkt immer, ja, die Chirurgen sind hier die Helden, aber an der Stelle ist es eine Anästhesieeologische Aufgabe zu sagen, der Patient wird operiert oder nicht. Wenn der Anästhesiest sagt, nein, dann wird es keine OP geben. Natürlich, auch wenn der Chirurg sagt, nein, gibt es keine OP. Aber in der Regel stellen ja die Chirurgen die Indikation und geben die Information dann erst zum Anästhesiesten weiter, der dann guckt, aber die letztendliche Freigabe, das ist die Hoheitsaufgabe der Anästhesiee und da kommt es dann häufig auch zu den eben beschriebenen Unstimmigkeiten.
Und erst dann nach dieser Freigabe kann dann die OP auch angemeldet werden oder erfolgt das schon im Vorfeld.
Ja, das ist jetzt so eine von diesen Sachen, die von Krankenhaus, zu Krankenhaus ganz unterschiedlich gehandhabt wird. Also in einigen Fällen ist das die Aufgabe der Chirurgie, das anzumelden, in anderen Krankenhäusern. Es ist die Aufgabe der Anästhesiee. Da gibt es sehr, sehr viele Workflows, viele mögliche Workflows. Manchmal wird auch schon angemeldet, bevor die Freigabe stattfindet, dann ist die Trauer umso größer, wenn der Anästhesiest sagt, nee, das machen wir nicht. Hier kann man jetzt nicht den einen Workflow nennen, aber wichtig ist, die Anmeldung muss irgendwann stattfinden, denn man muss ja einen Wunschtermin angeben und der Patient muss informiert werden, wann das Ganze stattfindet, das Ganze sollte natürlich im Vorfeld stattfinden. Auch hier könnte man jetzt natürlich sagen, man holt sich die E-Mail-Adresse vom Patienten, man muss ihm ja den OP-Termin jetzt noch nicht gleich sagen, sondern sagt, man bespricht sich noch und man guckt, wann was frei ist und informiert ihn dann. Und auch hier ist natürlich die IT-Unterstützung sehr gut möglich.
Was da vielleicht auch nochmal sagen muss, dass wir gerade nochmal auffällt, dass wir natürlich hier einen elektiven Fall behandeln, wo im Prinzip das Ganze auch im Vorfeld gut planbar ist und dass das Ganze bei Notfällen oder anderen Prozessen noch mal ganz anders aussehen kann, bestimmte Prozessschritte übersprungen werden. Das ist natürlich klar, wir gehen jetzt mal davon aus, in unserem Anwendungsfall, es ist eine geplante Operation, wo im Vorfeld jetzt auch noch ein bisschen Zeit ist, diese Einzelschritte durchzuführen, wo jetzt nicht akute Handlungsbedarf besteht.
Absolut richtig, genau. Wenn wir nämlich einen Notfall hätten, dann fällt alles das weg, was wir jetzt haben. Also nicht alles, auch da wird der Patient versucht aufzuklären und man macht noch eine anderen Nese, sofern das möglich ist. Aber dann steigt man quasi gleich in dem Teil 2 ein, wenn es um die Durchführung geht. Und das ist auch das, was den OP-Saal so schwierig macht. Wenn es jetzt nur die reine Planung wäre, dann könnte man sagen, dann nimmt man halt das System, was es auch im Flugbetrieb gibt. Ja, auch da gibt es ja dann so Slots und da kann man ganz viel übernehmen, aber diese ungeplanten Sachen, die einem dann den kompletten OP-Plan zerschießen, die machen das Ganze dann so schwierig. Ja, und dann kommen wir auch schon zu dem Punkt der OP-Planung. Genau, das war so schwierig und so komplex auch sein kann. Und was deswegen als Schwarzer Peter zwischen Chirurgie und Anesse, die sie hin und hergeschoben wird?
Ja, es ist glaube ich auch ja angeanlesst, um dass die Leute das dann an sich reisen wollen, weil zu komplex ist, bei man seine eigenen Interessen darin abgebildet haben will. Ja, die Anästhesiesten, ich will nicht sagen, dass die nicht so viel arbeiten wie die Chirurgen, aber die Anästhesiesten haben eher den Wunsch, dass man doch dann tatsächlich um vier Uhr fertig ist oder um fünf und die Chirurgen, die ihren OP-Katalog erfüllen müssen, die wollen gerne bis nachts um drei Uhr arbeiten. Heutzutage auch nicht mehr so, aber da gibt es manchmal unterschiedliche Interessen und die gilt es eben zu wahren und das ist alles irgendwie in diesem großen OP-Plan abzubilden. Also deswegen gibt es heutzutage normalerweise in einigermaßen großen OP-S, einen OP-Koordinator. Kommt häufig aus der Anästhesiee und früherer Anästhesiee Pfleger, manchmal ist es auch ein Chirurg oder jemand aus dem Chirurgischen Team, manchmal auch ärzliches Personal, das in dem OP bereits seine Erfahrung gesammelt hat. Aber häufig hängt es eben an einer Person oder an einer Rolle, die das Ganze dann koordiniert, wo alles zusammenläuft, damit es keine Feitte rein gibt und der versucht dann möglichst alle Interessen abzubilden. Und dadurch, dass man eben so viele ungeplantes Sachen hat, kann man häufig erst am Tag vorher einigermaßen genau dem Plan festlegen. Deswegen werden die Leute für einen Tag einbestellt und bekommen gesagt, am nächsten Tag sind sie dann dran oder werden dann operiert. Wann genau das können wir noch nicht sagen? Der Plan wird dann häufig so am späten Nachmittag des Vortages finalisiert und dann wird nichts mehr dran gerüttelt, es sei denn es kommt Notfall.
Es sind dann die Fälle, wo man etwas länger als geplant nüchternd sein muss, nicht Frühstück darf, wenn dann doch mal was dazwischen kommt. Genau, das sind dann die ganz schlimmen Fälle, das habe ich leider auch das eine oder andere mal mit erleben müssen, ein Patient, der eigentlich davon ausgeht, dass am nächsten Tag operiert wird, am Tag vorher schon anfängt, nüchtern zu werden, am morgens, da wir nix Frühstücken, bekommt gesagt, die haben zwölf oder sind sie dran, dann kommt nochmal Notfall, dann kriegt er gesagt, um drei Jahre ist er dran, bis dann darf er auch noch nix gegessen haben. Und dann passiert es leider, dass noch ein Notfall rein kommt und dann wird der Termin komplett verschoben auf dem nächsten Tag, dann hat er um vier Uhr das erste Mal was zu essen, das ist 24 Stunden nicht dann geblieben. Und ist vielleicht auch ein Patient, der vielleicht nicht der Allerkräftigste oder stärkste ist, meistens werden die Patienten nicht aus jüngsten Dollar reioperiert, sondern weil sie irgendein Leiden haben, das sind dann die sehr unangenehmen Fälle, aber es lässt sich halt nicht immer vermeiden. Das muss man so sagen.
Und dann kommen wir noch zu einer Sache, die ich das erste Mal vor vielen Jahren in Österreich gesehen hat, das aber mittlerweile auch, glaube ich, nach Deutschland geschwabt ist, das sind so OP-Statuten des Krankenhauses. Da wird viel geregelt innerhalb der OP unter anderem auch sowas wie Kontingente. Also wir haben dann verschiedene Fachabteilungen wie die Chirurgie, also die Viszeralchirurgie, die Thoraxchirurgie, die Dermatologie, Hein, oerz, die Gynäkologen und so weiter. Und alle wollen ja irgendwie operieren, alle wollen auf diese Knappe Ressource OP-Statuten zu greifen und dann ist es in den OP-Statuten geregelt, wie viel Zeit einer bestimmten Fachrichtung zur Verfügung steht. Proportional zum gesamten OP angebot. Und dann werden dementsprechend für die Fachbereiche Kontingente geplant. Das kann entweder sein, dass der Hein, oerz, jeden Montag, Nachmittag von 3 bis 18 Uhr operieren darf. Es kann aber auch sein, dass ihm für eine Woche insgesamt 3 oder 4 Stunden zur Verfügung stehen. Je nachdem, wie flexibel das Ganze gehandhabt wird, ist es natürlich auch komplexer für die Software, das Ganze abzubilden.
Kann ich denn damit auch dielen und tauschen und sagen, ich biete irgendwie freitags noch eine extra Stunde, wenn mir Montagsabend sind und was abnimmt? Ich glaube sowas wird häufig im Vorfeld abgeklärt und nicht erst dann, wenn soweit ist, aber man kann ja nicht planen, wie viel Leute jetzt im H&O-Bereich krank werden. Ja, es kann sein, dass dann kurzfristig was frei wird und dann werden diese natürlich dann meist bieten, zwar steiger dieses Lotz, die sind dann trotzdem sehr begehrt. Weil dann kann man vielleicht einen Notfall, den wir vorhin hatten oder ein Patient, der wegen eines Notfalls wär schoben wurde, könnte man dann auf so einen Slot draufbringen. Und vielleicht kann man sich darüber dann auch reborgieren und kann sagen, komm, ich nehm dir jetzt das ab und dafür kriegst du nächste Woche von mir was zurück. Auch das ist natürlich sehr, sehr schwer abbildbar in Software, aber es ist glaube ich noch viel schwerer abbildbar, wenn man keine Software hat. Weil man dann nämlich diese Kontingente gar nicht messen kann, man kann gar nicht wissen, wie viel hat denn jetzt der Wister-Reil-Chirurg überhaupt operiert, wie viel Prozent der Gesamt-OP-Zeit ist denn auf die Gynäkologie gefallen. Macht gerade jetzt in dem Zeitalter, wo man über die OP sehr, sehr viel Geld generiert ist, ist es sehr, sehr wichtig und ist eine Sache, die glaube ich auch immer mehr kommt und immer mehr abgebildet werden muss.
Ja, dann haben wir jetzt glaube ich einen Riesenpaket schon geschnürt, also gute Idee, dass wir das gesplitet haben. Sonst müssen wir jetzt nochmal hier noch mal eine halbe Stunde einplanen. Also seid gespannt auf Teil 2, wo es dann eigentlich mit der richtigen OP dann erst losgeht. Es gibt also im Vorfeld schon so viel zu tun, dass wir dem eine eigene Folge gewidmet haben. Genau, da machen wir an der Stelle einen Cut für die Leute, die das durchbindchen, die können direkt weiterhören, die anderen müssen sich leider noch zwei oder vier Wochen gedulden. Also macht’s gut, bis dahin.
Links
- Wisch-Gesten im OP: http://www.egms.de/static/en/meetings/gmds2015/15gmds089.shtml
Schlagwörter
OP-Planung, Kosten, Check-Listen, Einnahmequelle, Qualität, Hardware, Steril, interdisziplinär, Ressourcen, Chirurgie, Dokumentation, Anästhesie, ePA, Anamnese, OP-Koordinator
