In dieser Folge versuchen wir ein neues Format: Podcast on Tour. Christian ist in der Strahlentherapiepraxis in Singen und unterhält sich mit Obi über die softwaregestützte Bestrahlungsplanung. Diese hilft sicherzustellen, dass sich möglichst viel Strahlung im Tumor aufaddiert und das umliegende, gesunde Gewebe möglichst wenig geschädigt wird.
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Transkription
So, ich stehe jetzt am Parkplatz der Strahlentherapiepraxis in Singen. Die liegt direkt neben dem Krankenhaus in Singen. Im Hintergrund sieht man einen Vulkanberg und da oben drauf die Hohentwiel. Das ganze schaut also relativ üblich aus. Ich geh jetzt mal rein.
Ich sitze hier in Singen am schönen Bodensee noch in der Strahlentherapiepraxis und neben mir sitzt Obi. Hallo Obi, wie heißt du eigentlich richtig? Er, Obenland, Michael Obenland und da Obenland immer so lang ist, wurde das allgemein abgekürzt als Obi, noch lange bevor es Obi überhaupt gab. Obi-Wan Kenobi. Genau. Genau.
Du bist Medizinphysiker, richtig. Und wir sitzen gerade bei dir im Büro, das ist sehr schön und hell. Und du hast zwei Monitorvordee und genau, wir wollen uns jetzt mal zusammen angucken, was ein Medizinphysiker in der strahlen Therapie so macht. Und vielen Dank, du hast schon einen Patienten vorbereitet, einen Demo-Patienten, sodass ich also gemeinsam mit dir drauf schauen kann.
Was für ein Programm ist denn jetzt hier offen? Wie heißt das, was macht es? Es sind relativ spezielle Programme, also natürlich haben wir auch Word und Excel. Wir brauchen aber ein Planungssystem, wir müssen unsere Patientenbestrahlung mit dem Rechner planen. Das ist von Philips, das heißt Pinnacle. Und wir haben auf der anderen Seite einen Programm, was muss er ekeist und was unsere Beschleuniger steuert. Also was für jeden Patienten, genau weiß welche Felder für den vorgesehen sind und das Bestrahlungsgerät so steuert, dass die Bestrahlung richtig durchgeführt wird. Das sind komplett Spezialprogramme, also das ist nichts, was man jetzt einfach so im Laden sich holt. Das sind richtig teure Dinge, also da ist man dann relativ schnell bei 60,70,80.000 Euro, die man für so ein Programm ausgibt. Das ist also dann deutlich was anderes, als das, was man normalerweise zuhause rumliegen hat. Genau, ich habe zuhause jetzt auch nicht so eine Bestrahlungsplanung Software.
Das heißt jeder Monitor ist quasi für ein Programm, auf dem linken Monitor ist die Bestrahlungsplanung. Ja, mit dem rechten Software steuert man danach her den Linux.
Ich habe schon ein paar Fachbegriffe aufgeschneppt, was heißt den Linux? Linux ist ein Linearbeschleuniger, ein Linear Accelerator. Das bedeutet einfach eine Darstellung, wie er seine Strahlen erzeugt. Man braucht Elektronen, die kriegt man ja zum Beispiel, indem man einfach eine glühende Wolframwendel lässt. Um den Glühwändel herum habe ich dann erstmal Elektronen, die fliegen da so in der Gegend rum. Die nehme ich, nehme ein Magnetfeld, dann flang die an zu fliegen. Und dann werden die richtig schnell, dann bin ich irgendwann mal, wenn ich die Beschleunigungstrecke langgeduch mache, also so, sagen wir mal zwei, drei Meter, bin ich dann knapp bei Lichtgeschwindigkeit. Und wenn ich das dann auf eine Metallfolie prallen las, diese Elektronen dann entsteht Strahlung und diese Strahlung benutzen wir, um den Patienten zu bestrahlen. Ist das die gleiche Strahlung wie beim Röntgen, das ist das Gammastrahlung, die dann entsteht? Ja, genau, das ist Gammastrahlung, allerdings ist die Energie sehr, sehr viel höher, also faktor tausend höher. Aber im Prinzip ist es die gleiche Strahlung und das ist auch die gleiche Strahlung, die wir sehen. Grund ist, der Unterschied zwischen dem, was wir als Licht sehen können und dem, was man benutzt, um Bilder zu machen und dem, was wir benutzen, um Patienten zu bestrahlen, im großen und ganzen die Energie und die Frequenz. Man kann sich also immer vorstellen, wie ist es denn mit Licht? Und dann weiß man auch etwa, wie sich unsere Maschinen verhalten. Also was wir immer ganz gern hören, gerade bei Patienten, die Frisch da reinkommen, ja kann ich da einfach einlaufen, Strahlt’s da nicht. Und dann sagen wir immer ja, wenn sie da heimt es Licht anhaben und es machen es Licht aus, ist ja auch nicht mehr hell. Und genau so ist es da auch, also wenn die Maschine aus ist, dann strahlt er schlicht da nicht. Genau, das ist der Wohlframpfaden sozusagen nicht anders, nicht heiß, dann drehen keine Elektronen aus.
Ja, vielleicht noch ganz kurz für die Zuhörer, ich wollen es vielleicht so machen, ich beschreib Leinhaft mit meinen einfachen Worten, warum es wichtig ist, dass man mit der Software nachher so eine Bestrahlung plant. Also du hast uns jetzt ja gerade erklärt und wir kommen dann gleich auch zu der Software, dass es wichtig ist, dass man das plant. Korrigier mich bitte, wenn ich was falsch sag stellen muss vor, wir haben einen Tumor zum Beispiel irgendwo im Schädelbereich, im Hirn. Dann kann der natürlich irgendwie operiert werden, das ist die eine Methode, man kann schauen, dass man den vielleicht bekämpft, indem man eine Chemotherapie gibt, oder man kann als dritte Variante ihn auch bestrahlen, bestrahlen diese Gamma-Strahlung, die dann Körper geschickt werden. Die sind natürlich auch schädlich, weil das ionisierende Strahlung ist, das heißt, die kann das Erbgut ändern. Das ist jetzt meistens beim normalen Rundgenichterwünsch, bei der Strahentherapie ist es erwünscht, das heißt, wir wollen quasi den Tumor beschießen mit dieser Gamma-Strahlung und damit den Tumor zerstören. Wenn man das jetzt macht im Kopf, macht man den Kopf in der Regel ja nicht auf, sondern schießt von außen die Gamma-Strahlung in den Kopf rein, die soll durch den Tumor durchgehen und soll den dort zerstören. Wenn man das jetzt immer nur von einer Stelle machen würde, dann würde natürlich, wie so der Lichtstrahl von der Taschenlampe, das umliegende Gewebe, was auf diesem Lichtstrahl ist, genauso zerstören. Deswegen versucht man von unterschiedlichen Bereichen reinzuschießen und dass der Tumor immer in der Mitte ist, das heißt, dort sumiert sich sozusagen die Strahlung auf und dass das umgebene Gewebe auch ein bisschen geschädigt wird, aber hauptsächlich dann im der Tumor.
Richtig, genau. Dazu kommt natürlich noch, dass es überall im Körper Gewebe gibt, was im Finglich ist auf Strahlung und es gibt Gewebe, was nicht so empfindlich ist. Das kann ziemlich unangenehm sein, also im Bereich Rückenmarkt, zum Beispiel, ist es so, wenn die Dosis da zu hoch ist, dann kann der Patient theoretisch eine Querschnittslehmung kriegen. Ich kann im Nierenbereich, zum Beispiel, die Nieren außer Funktion setzen. Ich kann im Kopfbereich Probleme kriegen mit den Augen zum Beispiel. Und da ist natürlich dann die Kunst zu sagen, wie ordne ich meine Einstrahlrichtungen so an, dass den Augen nichts passiert, dass dem Rückenmarkt nichts passiert und dass den Nieren auch nichts passiert, dass sich aber trotzdem den Tumor möglichst gut genau präzise und der Dosistreffe, die der Arzt gerne hätte. Und das ist eben exakt unser Job, das macht die Physik.
Das ist euer Job, das macht die Physik auf dem linken Monitor, so sehe ich jetzt von unserem Demo-Patienten, sieht aus wie eine CT-Aufnahme, sieht ein ganz bisschen so aus wie die Leute, die es aus einem Packs kennen, wir sehen dort drei Aufnahmen vom gleichen Bereich, im oberen Bereich, sehen wir eine Aufnahme. Das ist vermutlich die Lunge, denke ich mal, dort ist im Lungenbereich farbig, was eingezeichnet, ein bisschen schaut es aus wie ein Bunterschmetterling, da drunter sind noch mal zwei Ansichten von der gleichen CT-Aufnahme, also quasi eine CT-Aufnahme in drei Schichten oder von drei unterschiedlichen Sichten ausgesehen und in jeder Schicht oder in jeder Ansicht, sieht man dann eben diesen Schmetterling. Unterschiedliche Farben sind dort von grün bis rot und in der legenden Links, sieht man, dass grün in diesem Beispiel zum Beispiel 47,5 Gray bedeutet und rot 60 Gray, Gray ist die, ist was, genau, damit ich nicht so viel quatsch. Okay, also was wir sehen, ist tatsächlich ein buntchalpatient, buntchal heißt, ich hab ganzen Haufen Risikoorganen im Grunde, die Lunge ist quasi schon mal ein Risikoorgan, ich möchte da also möglichst die Lunge wenig bestrahlen, das kann ich nicht. Rückenmark ist auch in der Nähe, ich muss also auch da gucken, wenn ich da drum rum kommen will, wie ich das hinkriege und ja, wir reden von Gray, wir reden von Gray, wir reden von Becquerel, wir reden von Strahlung in Einheiten. Und jetzt kann man sich einfach mal vorstellen, etwas was strahlt, also zum Beispiel unsere Strahlenquelle, kann ich mir mal einfach so vorstellen, wie ein Maschinengewehr was kugeln fordert. Und jetzt kann ich hergehen und kann gucken, wie viel kugeln fordert dieses Ding denn große Kunde und dann kriege ich etwas, das nennen wir Becquerel, das ist also praktisch die Strahlung, die aus dem System rauskommt, jetzt erst mal ganz trivial gesagt. Und jetzt stelle ich mich hin und habe in der Entfahnung ein Häuschhober stehen, der Häuschhober hat mit Tür und wieder zufall will, treffe ich natürlich hin und wieder mal diese Häuschhober Tür. Und dann kann ich anfangen, die Löcher zu zählen, wie oft habe ich denn diesen Häuschhober getroffen und dann komme ich auf die Grey. Jetzt kann ich mir auch noch überlegen, es ist ein Unterschied, ob ich mit der Maschinengewehr schieße oder ob ich jetzt die dicke Kanone nehme und je nachdem, wenn ich von der normalen Kugel getroffen wird, ist eine Sache, aber wenn es so eine richtige Kanonenkugel ist, ist es natürlich noch eine andere. Und dann komme ich bei auf was, das nennt sich Sievert, das ist also praktisch die Dosis noch betrachtet, wie viel Schaden gesetzt wird. Es geht hier einfach darum, dass man, dass man an gibt, welche Menge an Dosis in dem Tumor ankommen soll. Das gibt uns der Arzt vor, man muss sich das so vorstellen, der Patient kommt zu uns, wir machen ein Bild von ihm mit dem Computertomographen, damit haben wir ihn dreidimensional in unserem Rechner. Dann kommt der Arzt und sagt, Wasser bestrahlen will, der zeichnet ein, das Ziel gelogen, da soll die Strahlung hin. Das heißt, der zeichnet sozusagen den Tumor ein. Er zeichnet sozusagen den Tumor ein, wenn der noch da ist oder den Tumor reicht, wo der mal war, wenn er operiert wurde. Das ist in der Verantwortung des Arztes, also da können wir auch nichts zu sagen. Und dann kommen wir und sagen, okay, wenn du das so bestrahlt haben möchtest, dann können wir dir sagen, wie man das machen muss. Also der Arzt sagt, was und wir sagen, dass wir. Und da hat sich halt auch in den letzten, sagen wir mal, 10, 15 Jahren sehr, sehr viel getan. Wir sind deutlich schneller geworden, was die Bestrahlung selber angeht, also der Patient liegt bei uns noch 90 Sekunden. Das ist relativ lot, da freut sich der Patient, dass er früher runterkommt. Für uns ist ganz wichtig, dass der Patient möglichst nicht wackelt, dass der so liegen bleibt, wir wählen hinlegen oder wir unsere Kolleginnen, die MTRAs, in hinlegen. Und wir wissen einfach, je kürzer erlegt, dass es weniger bewegt, dass ich. Und damit kriegen wir natürlich höhere Qualität, ganz klar. Das sind halt relativ spezielle Verfahren, die es erst seit ein paar Jahren gibt, die auch spezielle Arten der Beschleuniger brauchen, wo man sich einfach in einem Bogen einmal um den Patienten rumbewegt, die Bestrahlung durchführt. Und das war Hass. Früher ist mal hergegangen und hat aus sechs, sieben, acht, neun verschiedenen Rüchtungen, nacheinander gestrahlt und immer zwischendrin das Bestrahlungsgerät um den Patienten bewegt. Und da kann man sich vorstellen, wenn man, also man strahlt irgendwie nach halben Minuten, dann bewegt sich das Ding 15 Sekunden, dann bestrahlt man wieder eine zwei Minuten, dann bewegt sich es wieder und so. Das war also sehr viel langwieriger und damit natürlich auch vieler empfälliger im Sinne von Patient kann, am Schluss ganz woanders liegen als am Anfang. Okay, das heißt, das ist jetzt der Fortschritt von dem Linear Beschleuniger selbst, kommen wir mal zurück zu der Software. Jetzt habe ich das vor ein bisschen lapida als Schmetterling bezeichnet, der eben eingezeichnet ist auf diesen CT-Bild. Und jetzt haben wir gerade gehört, die Prozessschritte bis dahin sind, der Patient kommt ins CT, es wird ins CT gemacht, der Arzt getinnt und legt dann eben auf diesem CT-Bild fest, wo der Tumor ist oder das Gewebe, das besprallt, werden soll und auch mit welcher Intensität, das ist quasi die Scheuntur. Wie legst du jetzt fest, wo welche Organe sind, weil das wird ja wahrscheinlich irgendwie eingetragen werden müssen, damit man auch weiß oder das System ausrechnen kann, hier ist nur gar nicht, das ist besonders anfällig für Gammastrahlung und hier ist vielleicht was, wo man länger durchschießen kann, weil dort eben kein zum Beispiel Blubbild des Organen-Knochen-Marketzettere ist, das heißt, wer legt erstens fest, wo sind die Organe und wie kommt man dann direkt zum konkreten Bestalungsplan, also aus 180 Grad so und so lange mit so einer Intensität und wie geht’s dann weiter? Das Programm unterstützt uns relativ weitgehend, wenn wir jetzt mit unserem Lungenplan weiter denken, brauchen wir außerdem Bereich der bestrahlt werden soll, brauchen wir natürlich noch die Lungen, wir brauchen das Rückenmark, wir brauchen unter Umständen das Herz. Die müssen erkannt werden. Die müssen erkannt werden, die muss sich auch irgendwie als Kontur haben in irgendeiner Form, die kann ich dann auch bunt markieren, damit ich sehe, da ist jetzt zum Beispiel, habe ich jetzt gerade mal angemacht, die linke Lunge, die kann ich entweder mühlich selber da anmahlen oder der Arztmalze an. Unser Programm ist allerdings in der Lage, solche Konturen selber zu finden, indem er hergeht und sich überlegt, wo ist die Außenkontur vom Patienten? Wenn ich die habe, dann weiß ich schon mal relativ viel, weil ich nämlich weiß, alles, was ich jetzt such, und muss ja im Inneren sein. Dann wird als nächstes gesucht, wo ist der wahrscheinlich so Ort für die Lunge, wo ist denn die etwa? Und dann sucht er in der Gegend so lange rum, bis er eine Kontur hat, die der Lunge entspricht. Wenn er die beiden Lungen hat, dann kann er daraus wieder überlegen, wo ist der Ort, wo der Schrückenmark wahrscheinlich liegen könnte und dann versucht er das zu finden. Und das macht er so lange, bis er alle seine Organe gefunden hat, da hat er eine ganze Bibliothek, der für jede Region abarbeitet. Also wenn ich namen im Thoraxraum jetzt unterwegs bin, sucht er nach den Lungen, das hat im Kopf relativ wenig Sinn, da sucht er dann nach den Augen. Ja, da hätte er zu tun. Und das macht er tatsächlich aufgrund statistischer Überlegungen, also wie groß ist die Wahrscheinlichkeit dafür, irgendwo was zu finden. Okay, denn den Zuhörer beschreibe ich, was du gerade gemacht hast, du hast so ’ne Art Dropdown-Menü, da steht an Skin, Lung, Left, Lung, Right, Trarea, Karina, Spinalkanal und so weiter. Die haben alle unterschiedlichen Farben, unterschiedliche Farben und als du gerade auf langen Left geklickt hast, wurden in dem Bild oder in allen drei Bildern, wurde tatsächlich die linke Lunge blau eingefärbt.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, macht das System selbst Vorschläge, kennt Muster anhand der Bilder und macht dann selbst Vorschläge, wo welche Organe sind.
Jetzt sind wir bei einem Schritt, das System weiß jetzt also wo der Tumor ist und weiß, wo welche Organe liegen. Vermutlich kannst du nochmal übersteuern und kannst sagen, okay, die Lunge, hier ist ’ne kleinen Fehler gemacht, ich korrigiere das. Genau, das kann man alles ändern. Jetzt, was wäre der nächste Schritt?
Der nächste Schritt ist, ich gucke mir an, was der Arzt angemalt hat, wo der sein Ziel haben möchte und da mache ich mal einfach einen Punkt in die Mitte. Das ist immer gut, weil um den Punkt dreht sich nachher alles im wahrsten Sinne des Wortes. Mein Gesamtsfeld dreht sich um diesen Punkt die Achse, die Achse für meinen Bestrahlungstrahl. Und diesen Punkt mal ich ihm ein und wenn ich den Punkt hab, dann kann ich darauf ein Feld aufbauen und fange an dem System beizubringen, was ich von ihm möchte. Ich habe auch an der Stelle unterstützt, es ist immer so ein bisschen Gradwanderung, ich will natürlich meinen Tumor bestrahlen, ich will aber auch andere Organe schon. Es ist immer eine Abwägungssache, ich habe ein Zielvolumen, also das, was ich bestrahlen will. Das bringe ich dem Rechner bei, ich sage ihm auf einer speziellen Seite, was ich für die Optimierung des Zielsanvorgaben hab und ich sage ihm, was meine Risikororgane, was ich da gerne hätte. Also möglichst wenig Dosis in der Lunge, möglichst wenig Dosis von Jaws in Spinalkanal, was auch immer. Und dann lass ich den Optimieren laufen und der versucht das alles möglichst gut unter einen Hut zu kriegen, so dass ich den Tumor maximal gut bestrahlen kann. Aber 100 Prozent kriegt man natürlich nie hin. Genau, jetzt hast du gerade einfach, also wir waren ja gerade bei dem Schritt, wir haben eben diese unterschiedlichen Organe gesehen, unterschiedlich farbig und jetzt hast du gerade einfach auf einen Knopf gedrückt. Und dann hat das System vermutlich im Hintergrund genau das gemacht, was du gerade gesagt hast, nämlich anhand der Vorgaben berechnet, dass möglichst oder genauso viel Strahlung, wie man vorgibt. Also hier in dem Beispiel waren es 50 Gray nachher im Tumorlanden, um den zu zerstören. Auf der anderen Seite gibt es auch Vorgaben, wie viel Gray maximal in das umliegende Gewebe kommen darf. Also zum Beispiel in linken Lungenflüge. Jetzt geht es nochmal bitte zurück, da hast du nämlich, das war sehr verwirrend für mich. Auf der ersten Seite sieht man dann ein lustiges Diagramm, da sind 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 Farben. Entsprechend vermutlich den Farben, die wir vorhin auch bei den Organen gesehen haben, hoffentlich. Also Lungen war, was war das gelb, blau, grün? Ja. Ja, genau, blau. Das nennt sich ein Dosis-Volumen-Histogramm, das ist so unsere Ecke, wo wir nachher die Ergebnisse begutachten können. Das kann man sich sehr schön darstellen lassen. Man muss sich das so vorstellen, man hat eine Grafik und die zeigt mir welches, wie viel Volumen, welche Dosis kriegt. Bisschen jetzt aber ziemlich speziell unterwegs hier langsam. Ja, wir müssen dann noch mal gleich ein bisschen schnell und dann werden wir wieder abstrakt. Also man sieht relativ schön, es gibt hier eine Kurve, die zeigt mir, dass mein Tumor fast komplett mit 100% Dosis belegt wird und dann sehr steil abrecht. Ich habe also meine ganze Dosis, die ich habe möchte in meinem Tumor und es zeigt mir auch, dass das Gewebe im Lungenbereich hier relativ wenig, Dosis abkriegt. Also im Richtung sage ich mal, dem Nullpunkt des ganzen Systems läuft und ihr Links verläuft, während mein bestrahltes Gewebe rechts verläuft. Und das ist so die Darstellung, die wir haben möchten und so möchten wir das gerne haben. Das heißt, anhand dieses Bildes, anhand dieses Diagrammes kann man gut diesen Trade-off erkennen, was genau? Kann ich machen, wenn ich jetzt vielleicht 100% der gewünschen Strahlung in dem Tumor nur noch 98 hab, kann es durchaus sein, da sich dadurch aber 20% weniger Strahlung auch vielleicht im rechten Lungenflügel haben. Und das muss man sich dann entsprechend überlegen.
Super, jetzt eine Frage. Jetzt hast du vorhin gesagt oder wir haben vorhin gehört, dass das System automatisch Lungenflügel erkennt und auch hier so eine Optimierung macht. Jetzt schreit das für mich als Informatiker dramatisch nach KI. Ist das schon KI drin oder das ist quasi von oben das runter programmiert?
Das ist reine Numerik, da ist keine KI drin. Okay. Wer das was, was dann in Zukunft vielleicht kommen wird? Da könnte man sich natürlich, da in der Richtung wird auch geforscht, was kann man machen? Wie kann man Dosen anpassen? Zum Beispiel auch an das Tumor geschehen, gibt es Möglichkeiten, wenn ich Informationen über die Genetik hab, die mit einfließen zu lassen, das ist also ein Feld, was ich momentan sehr stark bewegt. Was wir jetzt im Moment gesehen haben, ist aber in sich letzten Endes mal abgesehen von diesem Optimierungsfahrt, den ich eben beschrieben hab. Eigentlich Zeug, was wir schon sehr lange haben und wo jetzt auch der EDV-Bereich sich einfach nur langsam entwickelt hat, weil die Rechner immer schneller geworden sind und wir immer bessere Algorithmen gekriegt haben.
Der große Vorteil, den wir hier haben und wesentlich auch die zwei Monitorer haben, ist aber zum Beispiel, dass wir hier komplett papierlos arbeiten können, dass es bei uns keine Akten mehr gibt für die Patienten. Was dann echte auch Sicherheitsvorteile hat, also man ist dann doch sehr viel genauer unterwegs als das früher möglich war.
Hat man das früher dann mit dem Linian eingezeichnet oder was? Ja, also ich kann mich an Zeiten erinnern, eine meiner herausragende Erfahrungen, ich bin jetzt jetzt auch schon seit über 30 Jahren im Geschäft, ich hab kenn also noch alte Zeiten, als man mit der PDP 11 geplant hat. Mein alter Chef, der hatte dann so ein Tumor, wie wir jetzt hier haben, wurde dann früher auf dem Röntgebild versucht, einzuzeichnen mit dem dicken Daumen. Dann hat er da also gesagt, okay so bestrahlen war das und dann kam er drei Tage später angerannt und meinte, oh, jetzt sei aber ein Brief gekommen, der Tumor sitzt nicht links, sondern da sehe es rechts. Da sind dann alle erst mal etwas zusammengeklappt und dann ist alles in sein stilles Kamera rein verschwunden und eine viertelstunde später kam er freute Strahl wieder raus und meinte, das war jetzt völlig egal, das Ding sei so oder so drin gewesen. Das so groß wurde, das wohl so, großvolumig bestrahlt wurde, da war völlig wo der Tumor war.
Oh Gott, das heißt sehr schön, dass wir jetzt in Zeiten leben, wo die IT uns unterstützt und dass da nachher viel genauer bestrahlt werden kann.
So, jetzt müssen wir ein bisschen Gas geben, das heißt, jetzt haben wir, also du hast danach her mit diesem rumgespielt, das klingt des spektärlich, aber du hast unterschiedliche Varianten ausprobiert und hast vielleicht gesehen, wie gerade gesagt bei 98% der Ziel, Gray im Kern, auch kann vielleicht sein, ist das umlegen der Gewebe nicht ganz so dramatisch geschädigt. Wie kommt denn jetzt dann dieser Bestrahlungsplan und nichts anderes macht das Programm? Wie kommt das denn jetzt rüber auf quasi dein rechten Monitor, wo dann die konkreten Linux damit mit dem Plan bestückt werden?
Ja, wir haben bislang ja den Plan erst in Planungssystem, den Patienten haben wir allerdings schon in unserem Informationssystem angelegt, den gibt, den kennt das schon. Ich muss jetzt nur noch dafür sorgen, dass die Plan-Daten, diesem Informationssystem bekannt werden und dass es ganz einfach ein DICOM-Transfer-DICOM ist, ein Datenformat, was in der Medizin-Technik eigentlich seit Zig Jahren gegangen und gäbe ist. Kennen die Hörer auch, haben wir auch mal gehabt. Ja, das schicken wir also erst mal natürlich an MOSAIQ, unser Verwaltungssystem, das muss wissen, was da so an Feld auf ist zukommt und dann haben wir noch ein Problem. Wir haben das eben ganz sehr lustig gefunden mit dem großen Feld, wo der Lungtumor egal… Ich nicht, oder nicht, wirklich. Ja, das war früher tatsächlich stand der Technik und da ist der Patient dann auch echt in die Knie gegangen, inzwischen sind wir sehr viel Proziser geworden. Das hat dazu geführt, dass wir auf der einen Seite auch höhere Dosen verabreichen können, was dann wieder der Tumor-Controlle gut tut. Und auf der anderen Seite hat es einen ganz, ganz, ganz großen Nachteil, den wir eben in den Beispiel schon gehört haben. Ich muss verdammt genau wissen, was ich eigentlich bestrahl und wo das ist. Und es hat überhaupt keinen Sinn, dass ich hochpräzise irgendwelche tollen Pläne mache, wenn ich nachher die hochpräzise 5 mm daneben setze. Weil das hält dann unsere Planung nicht mehr aus, das war früher noch möglich. Und deswegen ist ein Großteil unserer Zeit und unserer Energie, dass wir tatsächlich sicher stellen, dass der Patient da liegt, wo wir glauben, das erlegt. Das bedeutet, wir machen für den Patienten dauernd Kontrollen, wir kontrollieren am Anfang der Bestrahlung, wenn er das erste Mal kommt, im laufe der ersten Woche jeden Tag, ob er da liegt, wo er liegen soll. Das ist auf dem Tisch, nach der Tisch, bei der Bestrahlung. Da gibt es ein extra Gerät an dem Beschleuniger. Da kommen wir noch mal in der anderen Folge dazu, ja? Genau. Und wenn man den Beschleuniger anguckt, dann hat der mehrere Ohren, ein Ohr ist dafür da, die Strahlung zu erzeugen. Und dann habe ich noch drei weitere, die sich nur damit beschäftigen, wo ist denn mein Patient? Also das ist extrem aufwendig und extrem wichtig. Und auch diese Systeme müssen natürlich die Beaminformationen kriegen, die müssen wissen, wo sie gucken müssen und wo der Patient liegen muss. Ich schicke also meine DICOM-Daten an insgesamt drei verschiedene Systeme, die dann alle darüber informiert werden, was bei diesem Patient bestrahlt werden soll. Und erst, wenn das gemacht ist, dann kann der Patient auch tatsächlich an dem Gerät bestrahlt werden. Das dauert normalerweise bei uns, sagen wir immer, ungefähr eine Knappe Woche. Also vom dem Moment, wo das CT gemacht wird, bis zur ersten Bestrahlung fünf, sechs Tage etwa. Das heißt, wichtig ist der Patient, man weiß genau, wie er auf diesem Tisch liegt, während er bestrahlt wird. Das Zweites ist ja so, dass die Organ im Körper nicht immer gleich, die gleiche Lage haben, sondern kann ja durchaus sein, dass die sich etwas bewegen. Das heißt, müsste vermutlich vor einer Bestrahlung und wie noch mal ein Check gemacht werden, ob das auch, ob das Organ an der richtigen Stelle ist. Richtig ist das auch? – Ja. Du kannst dir vorstellen, wenn du den Kopf bestrahlst, wenn du einen Wirbel bestrahlst, wenn du von mir aus den Elbogen bestrahlst. Da kannst du von außen angehen und kannst gucken, wo der gerade ist. Da kann sie auch nicht viel rühren. Aber wenn ich natürlich im Bauchbereich bestrahl und die Blase ist mal voll, mal leer, dann rutscht die Nähre mal gleich mal zwei, drei Zentimeter hoch und runter, je nachdem, wie voll die Blase ist, die dann von unten dagegen drückt. Und sowas muss man dann durchaus berücksichtigen und sowas wird auch heutzutage durchaus berücksichtigt. Weil nur dadurch kriegst du halt die Präzision zusammen, die wir voraussetzen.
Alles klar. – Ich glaube, hab ich noch was vergessen, fehlt noch was. Wir sind schon bei der magischen 30 Minuten Grenze. –
Oh Gott, das wird… Da schneideste alles noch mal nicht zusammen. – Das ist einfach in einer täglichen Geschwindigkeit sprechen. Ja, glingen wir alle wie Tweetie. Nee, ich glaube es für den ersten Alwe gereicht.
Ich danke dir vielmals. – Aber gern. Tinds, eigentlich. Tschüss.
Links
- http://www.strahlentherapie-singen.de/startseite.html
- https://www.ejcancer.com/article/S0959-8049(18)31562-4/abstract
- https://www.gematik.de/news/news/unsicherheiten-beim-ti-anschluss-konnektor-ist-nicht-das-problem/
- https://www.cio.de/a/alexa-hilf-mir-mich-zu-erinnern
- https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/102771/Behoerde-sieht-Sicherheitsluecken-bei-mobilem-Authentifizierungsverfahren-fuer-elektronische-Patientenakte
- https://www.plri.de/news/erstepodcastfolge
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Bestrahlung, Pinnacle, Mosaik, Planung, Linak, Elektronen, Gamma- Strahlung, PACS, CT, Grey
