Folge #63 – openEHR

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Beschreibung

In dieser Folge ist Björn Schreiweis zu Gast, um uns openEHR etwas näher zu bringen und openEHR-Projekte vorzustellen. Über Archtetypen und ein EMRAM6-Krankenhaus in Slowenien diskutieren Björn und Bernhard auch Möglichkeiten der aktiven Mitarbeit und die Rolle von openEHR in der Förderinitiative Medizininformatik.

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Transkription

Geht es um openEHR. Und was sich dahinter verbirgt, das wollen wir uns gleich anschauen, aber zunächst möchte ich einen Gast begrüßen, nämlich den Björn Schreiweis, schon seit einiger Zeit fleißiger Hörer, nun heute mal in sprechender Rolle beim Podcast. 

Hallo Björn. Hallo, ja, ich freue mich, dass ich heute auch mal auf der anderen Seite des Podcasts teilnehmen darf. 

Kannst du dich mal kurz unseren Hörern vorstellen? Ja, ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter, am Institut für medizinische Informatik und Statistik des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und der Christian Albrechtsuniversität zu Kiel. Ich habe medizinische Informatik in Heilbronn und Heidelberg studiert, dann in Heidelberg promoviert über das Thema Einrichtungsübergreifende Patientenrekrutierungssysteme und habe eigentlich immer wieder in meinem Lebenslauf berührungspunkte mit openEHR gestartet im Studium, dann in der Promotion auch mal so am Rande das Thema wieder fest und jetzt eben in der Medizin Informatik Initiative im Heimatprojekt sehr stark mit dem Thema befasst. Ja, und das war der Grund, bei dem wir gesagt haben, dass könnte doch jemand sein, mit dem wir mal etwas über openEHR reden könnten. Wir haben es gerade schon festgestellt, dass das auch, oder ich habe es festgestellt, besser gesagt, dass das auch das Thema in der aktuellen eHealth kommen ist. Das war so nicht abgesprochen, aber zeigt natürlich, dass dieses Thema anscheinend gerade eine kleine Renaissance erlebt oder gerade en vogue ist und wir wollen uns jetzt mal anschauen, was ist denn eigentlich openEHR? Kannst du uns das mal so ganz grob näher bringen? Ja, also openEHR ist eigentlich eine Spezifikation für eine freie Patientenaktenarchitektur um interoperable Anwendungssysteme zu unterstützen, indem wir Datenmodelle im Programmierchnitzstellen zur Verfügung stellen. Und das interessante ist eigentlich, dass das Anwendungssystem und die klinischen Daten komplett entkoppelt sind. 

Das heißt, ich kann auch den klinischen Daten halt unterschiedlichste Anwendungssysteme auf den gleichen klinischen Daten laufen lassen. 

Das heißt openEHR spezifiziert die Darstellung der Daten und nicht die das Anwendungssystem. 

Genau. Damit ist natürlich, wenn man elektronische Patientenakte damit baut, die Akte an sich ist, standardisiert und vor allem ist sie herstellern neutral. Ich kann also einfach das Anwendungssystem austauschen und die Daten weiter verwenden, wenn ich auf openEHR basiert. Vorausgesetzt, das entsprechende Anwendungssystem hat eine Schnittstelle zu openEHR implementiert. 

Genau. Was wahrscheinlich eine der größten Hürden ist, warum es vielleicht noch nicht in dem Einsatz ist, wie es sein könnte. Ja, ziemlich sicher. Ja, kommen wir mal zu den Einsatzgebieten. Wo wird openEHR stand jetzt eingesetzt und wo sie es zu vielleicht auch in den zukünftiges Einsatzpotenzial? Also, wofür es relativ viel schon eingesetzt wird, sind eben elektronische Patientenakentsysteme. Es gibt aber auch Register, die auf openEHR basieren ganze nationale E-Heldplattformen in einigen Ländern basieren auf der openEHR und auch in der Architektoren, eigentlich wo man so einen Plattformansatz umsetzen möchte in dem. Das muss ich mir unter so einer nationalen E-Heldsplattform vorstellen. 

Zum Beispiel in Slowenien die nationale Patientenakte basiert auf openEHR. 

Das heißt, die tauschenstrukturierte Daten zwischen niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und so weiter auf Basis von openEHR aus und eher unstrukturierte Informationen in der EHA-XDS Infrastruktur. 

Das heißt, die kombinieren sogar die beiden Ansätze XDS und openEHR. 

Was ist das wesentlichste Kennzeichnungs- und openEHR? Aus meiner Sicht, dass Kliniker selbst die klinischen Konzepte entwerfen, sogenannte Archetypen. 

Das heißt, Ende nicht softwareentwickler, spezifizierende Datenmodell, sondern der Kliniker selbst, der weiß, was die Daten bedeuten und für was sie verwenden will. 

Wie kann ich mir so ein Archetyp vorstellen? Also kann man das den Hörern per Podcast kurz erklären, was das unter so einem Archetyp zu verstehen ist? Also ein Archetyp beschreibt immer genau ein klinisches Konzept. Das kann zum Beispiel die Medikation sein oder die Dosis von einer Medikation könnte ein Archetyp sein, was immer relativ gerne verwendet wird. Auch wenn ich finde, dass es andere gute Beispiele gibt, ist der Blutdruck. Weil man da einfach schön sieht, es gibt den süßdolischen, den diastolischen Blutdruck, der Kontext, unter dem der Blutdruck eroben wurde, spielt eine Rolle und all das findet sich dann in den Blutdruck Archetypen wieder und ich kann das dann entsprechend verwenden, um meine Daten abzulegen. Also ich erheb nicht nur einzelne Werte, sondern vor allem dann auch den Kontext immer mit. Und dann würde ich so ein Archetyp letzten Endes im Rahmen einer openEHR Gesamtarchitektur, den Archetyp dann austauschen zwischen verschiedenen Systemen. 

Genau, beziehungsweise die Systeme würden den Archetyp einsetzen in ihrem Datenmodell und dann kann ich basieren da drauf entsprechend die Daten austauschen. Ich kann in meiner Umgebung, die das Datenmodell weiter spezifizieren, weil der Archetyp im Endeffekt das maximale DataSet beschreibt und kann das weiter einschränken durch Constraints in so genannten Templates. Dadurch, dass aber die Abfrage auf dem Archetypen läuft, ist es völlig egal, ob jemand das weiter eingeschränkt hat oder weniger weit. Die Abfrage wird trotzdem funktionieren. 

Das heißt, ich muss nicht alle Elemente dieses Archetyps erfüllen, sondern es reicht auch, wenn ich ein Teil davon habe, solange diese entsprechend standardkonform spezifiziert sind. 

Genau, tauscht werden. 

Jetzt hatten, hat es dir schon gesagt, es gibt innerhalb von Europa noch ein paar weitere Projekte. Was sind so die Vorzeigeländer für openEHR-Anwendungen? Die in Europa, die Vorzeigeländer, würde ich sagen, sind Slowenien. Zum einen, weil die eben die komplette nationale Plattform auf openEHR gebaut haben, aber auch, weil die in der Universitätsklinik in Ljubljana, ein openEHR-Patienten-Akte eingeführt haben, die als Hymns-EMRAM-Stufe 6 zertifiziert wurde. Zu EMRAM, hattet ihr ja auch schon ein Podcast. 

Das heißt, das ist quasi fast vollständig Papierlos, basierend auf openEHR. Das ist ja schon mal ein Wahnsinsausblick, dass man sagt, also mit openEHR-Archetypen könnte ich auf Stufe 6 kommen, also reales Beispiel. Dann müssen wir mal vielleicht öfter nach Slowenien schauen. Gibt es weitere Beispiele? Ja, und zwar in Norwegen, die bauen für alle nationalen Ehelsinitiativen, haben die in eine Einrichtung geschaffen, die nennt sich National eHealth Architecture, den Link, denke ich, packen wir in die Show-Nodes und die bauen die Informationsmodelle entsprechend für alle nationalen Ehelsinitiativen basierend auf Archetypen. 

Das heißt, die spezifizizieren die Archetypen, die es noch nicht gibt, passen die entsprechend für norwegische Anwendungsfälle an und übersetzen entsprechend vor allem auch ins Norwegische, um die bestehenden internationalen Archetypen nutzen zu können. 

Das heißt, die haben da einen kompletten Governance-Prozess aufgebaut, der entsprechend sowohl international auch genutzt wird. 

Das heißt, die haben Rückkopplung in die internationale Community, was natürlich dazu führt, dass die Archetypen nicht irgendwie nur für ein kleines Projekt nutzbar sind, sondern dann gleich international auch genutzt werden können. Ja, also das sind jetzt zwei Beispiele, also Slowenien, Norwegen, als als positiv Beispiele, wo das genutzt wird. Wie angesprochen, also auf der Karte gibt es noch viele weitere Länder, ich würde sagen, wir machen noch ein paar Links in den Show-Nodes und verweisen da noch auf weitere Projekte in England oder in den Niederlanden, die das entsprechend auch einsetzen. 

Wie läuft das denn jetzt ab, wenn ich da mich da für interessiere und jetzt vielleicht eben wieder mitmachen möchte? Mal suchen möchte, welche Archetypen es so gibt oder denke, ich schreib noch einen eigenen Archetyp oder irgendwie solche Sachen, was kann ich denn da machen? Dadurch das openEHR-Community-Ansatz verfolgt, kann jeder mitmachen, sowohl bei der Spezifikation neuer Archetypen als auch bei den Review-Runden, nachher um Archetypen entsprechend in der Stabilversion zu bringen. Dafür gibt es bei Möglichkeiten teilzunehmen, dass eine ist. Wir haben jetzt im Rahmen von Heimat in Deutsche User Group gegründet, da packen wir den Link auch in die Show-Nodes und die andere Möglichkeit ist eben über die openEHR-Dation mitzuarbeiten, da kann ich entweder als Hersteller Entwickler, könnte ich Applicationentwickeln, die eben auf Open-Jage-Artplattform aufsetzen, aber als Leistungserbringer oder Kliniker, wenn ich entsprechend, wie du gerade meintest, an der Entwicklung von Archetypen mit arbeiten oder neue Entwicklungen möchte, gibt es Mailing-Listen und es gibt Modellierungs-Tool, das nennt sich Clinical Knowledge Manager. Da kann man sich in Account erstellen, man kann aber auch einfach so mal reinschauen, was gibt es denn schon an Archetypen und in welchen Sprachen gibt’s, die passt es für meine Anwendungstelle oder muss ich gegebenenfalls neue entwickeln, was sich dann dort auch machen kann, indem ich dort ein eigenes Projekt anleg und entsprechend mit Archetypen neue Implementier, die dann auf internationale Ebene auch wieder entsprechend begutachtet werden und in einem Community-Abstimmungsprozess entsprechend dann relativ schnell auch in die Anwendung kommen können. 

Das heißt, dieser Knowledge-Manager wäre auch der erste Einstiegspunkt, wo ich sagen würde, ich möchte mich mir einen Überblick verschaffen, was gibt es denn bereits an Archetypen? 

Genau, ja, weil dort sieht man dann auch, wenn man sich so ein Archetyp anguckt, kann man in einer Mind-Map-Darstellung relativ schnell überblicken, wie es so ein Archetyp aufgebaut und was ist die Idee dahinten. 

Und stichwort internationalisierung, also wenn ich jetzt sehe, die in Slowenien und Libyana sind hier sehr weit, die haben da vielleicht schon tolle Archetypen, wahrscheinlich aber nicht in Deutsch, kann ich die dann nehmen und übersetzen oder sind sie schon irgendwie standardisiert, dass ich da im Prinzip schon mehr in Übersetzung dazu kann anzeigen lassen. Also meistens sind die Archetypen in Landesprache und Englisch schon verfügbar und dann kann man entsprechend hergehen, wenn es die in der eigenen Landesprache noch nicht gibt, also in Deutsch, wir machen das genau das gerade in Heimat, dass wir entsprechend die Archetypen, die es international gibt, ins Deutsche übersetzen. Das wird sicherlich auch eine Volksfaktor sein, wie viele noch in der eigenen Sprache, eigenen Kontext entsprechend verfügbar sind. Ja, definitiv, wobei ich sagen muss die Übersetzung ist natürlich vom Aufwand her deutlich geringer als wenn man Archetypen neu entwickeln muss. 

Kannst du dazu was sagen? Also wenn ich jetzt irgendwie für ein neues klinisches oder ein bekanntes klinisches Konzept einen neuen Archetyp entwickeln möchte, wie lange dauert das oder wie viel Arbeit muss man da ganz grob reinstecken, kann man das sagen? Ich könnte jetzt an einem Beispiel von Heimat sagen, da mussten wir jetzt für unseren cardiologischen Anwendungsfall, glaube ich, sechs neue Archetypen definieren, die sind jetzt soweit, dass die von den Modellieren an die Kliniker übergeben werden können. Also ich würde mal sagen, so drei, vier Monate dauert es schon bis der Archetyp dann entsprechend die ersten zwei, drei Review und durchlaufen hat. Das ist auch selten, dass ein Archetyp direkt angenommen wird. Also die Idee ist ja schon, dass durch Einbringen von mehreren Experten entsprechend die Qualität steigt und deshalb sind diese Review unten halt sehr wichtig. 

Ja wunderbar. Ich glaube dann haben wir schon relativ viele Aspekte angerissen. Ich glaube das Thema ist insgesamt auch so groß und komplex, dass man viele Sachen dann sicherlich in den entsprechenden User Groups weiterführen kann. Wir wollten heute mal so ein bisschen das Thema anreißen, mal ja sagen was man da was, was openEHR überhaupt ist. Das haben wir gemacht und dann danke ich dir lieber Björn für deine Zeit und dass du uns da so ein bisschen in openEHR eingeführt hast. 

Vielen Dank, dass ich die Gelegenheit nutzen durfte und openEHR im Podcast vorstellen. Ja und dann würde ich sagen was das für heute und wir verabschieden uns von unseren Hörern, also macht’s gut bis in zwei Wochen. 

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Schlagwörter

openEHR, Patientenakte, Interoperbilität, EPA, Archetyp, EMRAM