In dieser Folge sind geht es um die eGK. Renato und Christian wieder alleine und folgende Dinge werden besprochen: Es werden wichtige Meilensteine der inzwischen laaaangen Historie der eGK vorgestellt und auch kurz auf die Pflicht- und freiwilligen Anwendungen der eGK eingegangen. Alles „technische“ wurde in dieser Folge bewusst ausgespart und wird in einer separaten Folge des eHealth-Podcasts behandelt werden.
Podcast: Play in new window
Transkription
Hier hinsicht, starten war also mit der eGK, passt auch gut zum Thema durch. Und zwar mit der Historie. Man sagt immer, dass der Auslöser der Lipobay Skandal im Jahre 2001 war und da war es so, dass Lipobay Medikament von Bayer und Gemfibrozil nicht zusammengenommen werden durfte. Das wusste man aber damals noch nicht und es gab einige Todesfälle. Bayer hat dann auch Lipobay vom Markt genommen und damals wurde die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt, sich zu überlegen, was man denn gegen solche problematischen Konstellationen unternehmen kann. Und die sind auf die Idee gekommen, dass man einfach eine Chipkarte nimmt und auf dieser Chipkarte dann die Medikamente und Rezepte gespeichert werden, wenn sie vom Arzt verschrieben werden und dann soll eben klassisches AMTS, also Arzneimitteltherapiesicherheit passieren, es soll also geprüft werden, ob die neue verschriebenen Medikamente eventuell wechselwirkungen mit den anderen Medikamenten haben, die schon vom Arzt verschrieben worden sind und eben auch auf dieser Karte gespeichert worden sind. Damals wurde dann ein Konsortium gegründet, das nannte sich damals bIT4health und bedeutete Better IT for Better Health und da waren dann größend drin wie IBM, Fraunhofer, SAP, die ICW, also die Internet-Componentware und ein großer Karten-Systemhersteller, der dann eben diese Karten auch herstellen kann. Und dieser in eben diese Rahmenbedingung schaffen, um eine Einführung einer solchen Karte zu ermöglichen. Dazu gab es dann auch ein Gesetz, es gab es Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung aus dem November 2003 und dort wurde festgelegt, dass die eGK zum ersten Januar 2006 auch tatsächlich eingeführt werden soll. Und jetzt wissen wir ja alle, wir haben natürlich schon seit über zehn Jahren die eGK im Portmonee und die ist vielleicht ein Deckendem Einsatz. Aber dieser erste Januar 2006 wurde verschoben, komm ich gleich nochmal dazu, wurde allerdings noch eine zweite Organisation gegründet, nämlich im Januar 2005, das ist die gematik, die gibt es auch noch bIT4health hat man eigentlich nicht mehr so häufig. Die gematik gibt es noch, dass die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH.
Genau, so haben wir kurz sagen, wer da alles drin sitzt, 50% der Stimmrechte entfallen auf die GKV, also die gesetzlichen Krankenversicherungen, die anderen 50% gehen an die Bundesärztekammer, die Zahnärztekammer Apotheker, der Apothekerverband, die deutsche Gesellschaft für Krankenhäuser, also Krankenhausgesellschaft, die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Kassen Zahnärztliche Bundesvereinigung ist auch noch mit dabei.
Genau, das war also die gematik, die wurde dann gegründet, um die Einführung auch entsprechend voranzubringen.
Trotzdem scheiterte die Umsetzung zum ersten Januar, haben wir gerade schon gesagt, das war dann auch 2006, war auch das Jahr, wo dann die GroKo, also die große Koalition an die Regierung kam und die haben dann direkt eine elektronische Gesundheitskarten Verordnung erlassen und haben das neu geregelt, die wollten so ein Testverfahren machen, dass also in vier unterschiedlichen Stufen, in Testregionen getestet wird, wie die eGK ankommen, dass sowohl unter Laborbedingungen gewesen. Damals sind wohl auch einige usability Probleme aufgetreten, so dass dann eGK’s nur gelesen und geschrieben werden konnte, wenn der Arzt gleichzeitig seine Health Professional Card auch eingesteckt hat und musste dann Pincode eingeben, wenn er den dreimal falsch eingegeben hat, dann wurde die Karte gesperrt, also ganz viele Sachen, die nicht so ganz dem Alltag in der Praxis entsprochen haben.
Auf jeden Fall gab es dann dieses Testverfahren, zwischendurch gab es auch immer wieder Kritik, es wurde auch echt, kann ich mir noch gut daran erinnern, unsachlich darüber berichtet, der Chaos Computer Club (CCC) hat dann auch gesagt, dass das Unsicher ist, viele Datenschütze haben bedenken, geäußert, wurde auch angefeuert durch Politiker, die dann so eine Prototyp, so eine Karte in die Kamera gehalten haben und gesagt haben, da sind dann später alle ihre medizinischen Daten drauf. Was natürlich extrem ungeschickt war, also der Weggrund war sicher gut zu zeigen, man hat die Möglichkeit, auf Daten zuzugreifen, in Notfällen oder auch solche Arzneimitteltherapie Prüfungen zu machen, allerdings war es einfach auch faktisch falsch, dass die Sachen allauf einer Karte gespeichert sind, wenn man sich überlegt, wie groß irgendwelche Bilder von Bildgimlen verfahren, vom CT, MRT oder was, ich was sind, da sind wir ganz schnell im Gigabyte-Bereich und die Karte hat also unter 100 KB Speicher, das ist einfach schon ein technisch nicht möglich, hat aber auch dazu geführt, dass es große Verunsicherung in der Bevölkerung gab. Und was dann gemacht wurde damals war dann der Philipp Rösler von FDP, Bundesgesundheitsminister, der hat dann erstmal die Funktionalität dieser eGK eingeschränkt, also das elektronische Rezept und die elektronische Patientenakte wurden erst mal gestoppt. Ist natürlich ein bisschen blöd, weil das meiner Meinung nach einige der absolut sinnvollsten Anwendungen sind und ja eigentlich auch der Grund, wahren so eine eGK einzuführen. Die wurden also gestoppt und dann gab es einen Auftrag an die Industrie, an das Industriekonsortium, die sollen also nachweisen, dass diese Daten sicher sind, dann gab es auch wieder Rückschläge, Rückschläge, Rückschläge, die ich gar nicht alle aufführen will.
Seit 2011 ist es dann so, dass dann auch die tatsächlich bundesweite ausrollen, dieser Karte begonnen hat und darf, gab es auch schon wieder Theater, weil dann die Kassenlichtbilder von den versicherten Ein fordern sollten und dann haben einige Kassen, sind wir ein bisschen zuforsch formuliert, dass es so klangerts, ob die versicherten gesetzlich gezwungen sind, Lichtbild zu melden, das konnte man dann hochladen. Die Bilder wurden wieder nicht überprüft, so dass es jetzt einige Hunderte Patienten wohl in Deutschland gibt, die eine extreme Ähnlichkeit mit Brad Pitt oder so was haben und so weiter und so weiter.
Das heißt jetzt hast du ja gerade in den News gebracht, das heißt jetzt gibt es dann Modelle-Regionen, die dann starten mit Notfalldaten setzen und es gibt jetzt auch die ersten Regionen, die mit der anderen ersten Anwendungsstaaten, nämlich dem Versichertenstammdatenabgleich.
Wenn man sich jetzt mal überlegt, wie lange man da dran gesessen hat, wie lange jetzt da dran rumgearbeitet wurde und das dann jetzt so viele Jahre später die erste Anwendung, Flichtanwendung startet, nämlich dass die Versicherten da an auf der Karte online geändert werden und nicht eine neue Karte ausgegeben werden muss, muss ich sagen, dass dieses ehrgeizige Ziel leider ein bisschen verfehlt wurde oder wie siehst du das?
Ja, also ich finde es auch traurig, wenn man halt in die europäischen Nachbarregionen guckt und sieht, wie schnell es da gehen kann. Ich fühle dich da, hat leider mein Berufsstand oder mein ehemaliger Berufsstand auch einiges mit dazu beigetragen. In den Ärzteplättern habe ich häufig Berichte darüber gelesen über den deutschen Ärzte Tag, wo dann einige Ärzte über die Gesundheitskarte gewettert haben und alles schlecht geredet haben und kein gutes Haar dran gelassen haben und eine Art der total blockade aufgebaut haben und gesagt haben, nehm mit uns wird’s das nicht geben und das war sehr schade, weil die natürlich das Ganze verzögert haben zum einen, die haben aber dann auch dafür gesorgt, dass die medizinische Expertise aus dem Diskussionsprozess rausgenommen worden ist. Die Ärzte haben sich dann der Diskussion verweigert oder viele Ärzte, einige Ärzte haben sich dem verweigert und dann kam das Ganze nur noch von technischer Seite her voran. Und das ist ein bisschen schade, weil da drunter natürlich dann auch die Geosibilität gelitten hat.
Jetzt machen wir ein bisschen verkerte Welt, ich würde sogar die Ärzte jetzt ein bisschen in Schutz nehmen, also natürlich hätte man sie vielleicht mehr beteiligen können, aber wenn die Gebraustauglichkeit tatsächlich so schlecht ist und wenn man sich überlegt, wie es vermutlich in einigen und ein der ein oder anderen Arztpraxis heutzutage noch so ist, das vielleicht auch Rezepte vorab unterschrieben werden blankumäßig, sodass der Arzt faktisch nachher eigentlich nur noch der Medizinische Fachangestellte zu rufen muss, was für ein Medikament der Patient bekommen soll und so mit dann sich im Sekundenbereich bewegt. Wenn das dann nachher nach der Einführung der eGK, wo es für ein Patientensicherer ist, aber sich dann auf einmal im Minutenbereich befindet und vielleicht zeitgleich wie es am Anfang bei der Karten eingesteckt werden mussten, weil die Karte vom Arzt nicht im Trisor stecken konnte und so weiter und so weiter, dann ist es einfach auch vielleicht eine technische, sehr schöne Lösung, aber halt völlig am Alltag vom Arzt vorbei entwickelt. Also ein bisschen verständnis habe ich da schon.
Ja, ich habe verständnis dafür, dass man nicht alles toll findet von dem, aber trotzdem kann man ja dann dran weiterarbeiten und kann sagen, hier müssen wir noch was verbessern und hier muss noch was besser gemacht werden. Das wäre jetzt mein Ansatz gewesen, anstatt sich dann total zu verweigern, aber ich will jetzt auch nicht ein Pauschalurteil über alle Ärzte auskippen, ich glaube da waren einige Klokierer und einige, die sich engagiert haben und jetzt im Moment habe ich das Gefühl, dass die engagierten die Oberhand gewonnen haben und das finde ich gut.
Gut, versöhnliche Worte, dann erzähle man ein bisschen was, was wird gespeichert auf der eGK und vor einigen, was davon ist, neu im Vergleich zu vorherigen Krankenversichertenkarte. Ja, so viel Neues ist da, wenn ich jetzt vorne anfange an, ich dabei, wir hatten ja auch, glaube ich, als wir das eHealth-Gesetz besprochen haben, schon mal darüber gesprochen, was alles auf die Karte gehört, also das ist Familiennahme, Vorname, das Versicherten, das war schon vorher drauf, die Krankenkasse war auch schon vorher drauf, Geburtstattung, Geschlecht, Anschrift, auch das ist schon bekannt, die Krankenversicherungsnummer, die ist jetzt dahingehend neu, dass wir eine Einheitliche haben. Also Krankenversicherungsnummer ist nicht mehr nur innerhalb der Krankenkasse eindeutig, sondern ist jetzt deutschlandweit eindeutig. Und Versicherungsstatus war auch schon vorher da, der Beginn des Versicherungsschutzes, der war auch schon vorher da und frisst ablauf auch schon vorher da und jetzt kommt diese Neuerung, dieses Lichtbild ist leider auch nicht ganz so 100% immer das, was der Patient und der Versicherte zu sein glaubt. Was auch Neues ist das Geschlecht, das war auf der allen Krankenversichertenkarte nicht drauf, klingt bisschen komisch, ist aber so.
Dann vielleicht noch zu den herren Zielen, beziehungsweise, denn was hier freiwillige Anwendung, also das, weswegen diese eGK ja eigentlich mal gestartet ist, haben wir ja schon gehört, das war als Neymitteltherapie Sicherheit, also als Neymittel riesigen zu minimieren, das ist jetzt nur noch eine freiwillige Anwendung, also der Patient muss dort einwilligen, muss ich vielleicht auch einen eigenen anbietersuchen, den auch vielleicht selbst zahlt. Elektronische Arztbriefe, auch das ist freiwillig. Die Notfallversorgungsdaten, von dem du vorhin in der Nachrichtenbereich gesprochen hast, auch das ist freiwillig. Die ganze elektronisch Patientenakte ist, Renato, was kommt jetzt? – Freiwillig. – Freiwillig. Und auch das sogenannte Patientenfach, wo dann der Patient eigene Daten, die zum Beispiel, was ich einen Schmerztagebuch oder Daten vom Fitness-Tracker oder vom Joggen einstellen kann, in der Hoffnung, dass der Arzt das vielleicht für seine Diagnose oder für die Therapie berücksichtigt, auch das ist freiwillig.
Also die ganzen schönen, guten, guten Sachen, die tatsächlich was bringen würden, sind alle freiwillig. – Aber das ist auch gut so. Also ansonsten wäre, glaube ich, die Akzeptanz der Karte, die wäre äußerst gering, wenn die Leute das Gefühl hätten, Sie würden ausspioniert werden.
Schlagwörter
eGK(Elektronische Gesundheitskarte), PKV, GKV, Bundesärztekammer, KBV
